Banken
Jobboom bei Banken wird sich nicht auszahlen

Viele Investmentbanken sorgen derzeit mit umfangreichen Neueinstellungen für Furore. Sie versuchen ihre Marktposition rechtzeitig vor dem nächsten Aufschwung zu stärken. Barclays, Deutsche Bank und SocGen gehören dazu. Aber nach den Erfahrungen der Vergangenheit könnte dem heute teuer gewonnenen Personal schon morgen die nächste Entlassungsrunde drohen
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Der plötzliche Einstellungsboom hat für eine Unterbrechung der Säuberungsaktion im europäischen Bankensektor gesorgt. Die Investmentbanken haben sich erholt und versuchen nun schleunigst die Lücken zu füllen, die die geschrumpften oder ganz von der Bildfläche verschwundenen Konkurrenten hinterlassen haben. Hier geht es nicht mehr um einzelne, handverlesene Neueinstellungen, viele Unternehmen planen ein Mitarbeiter-Recruitment in großem Stil.

Noch bleiben die Einstellungszahlen weit hinter den Tausenden von Stellen zurück, die der Branche innerhalb kürzester Zeit verlorengingen. Aber der Arbeitsmarkt für Banker sieht inzwischen wieder weitaus freundlicher aus als noch vor sechs Monaten. Die Einstellungspläne sind beeindruckend, wenn man an die kurzfristig eher trüben Ertragsaussichten der Banken außerhalb des reinen Handelsgeschäfts denkt. Einige Unternehmen betreten Neuland. Barclays erhöht den Personalbestand gleich um einige Hundert, um sein Börsen- und Kapitalmarktgeschäft in Europa aufzubauen. Société Générale, deren M&A-Aktivitäten außerhalb Frankreichs traditionell eher gering sind, sucht 40 neue Manager, um das Beratungsgeschäft außerhalb des Heimatmarktes in Angriff zu nehmen.

Selbst Japans Mizuho Securities soll Berichten zufolge mit 150 Bankern sprechen, die der Bank das europäische M&A-Geschäft erschließen sollen.

Andere Banken versuchen ihre Marktpositionen zu festigen. Evolution, die in London beheimatete Investment-Boutique, hat seine Personalbasis gerade um ein Drittel erhöht. Das Unternehmen hat 45 Wertpapieranalysten, Kundenbetreuer und Händler übernommen, die von Dresdner Kleinwort nach der Übernahme durch die Commerzbank entlassen wurden. Lazard intensiviert seinen globalen Personalaufbau, trotz der Verluste im ersten Quartal.

Auf dem Arbeitsmarkt besteht vielleicht ein Überangebot an Bankern, aber die Nachfrage ist wieder so groß, dass dieser Überhang nicht unbedingt billig zu haben ist. Es gibt Beispiele, die zeigen, dass Banken ohne Staatsbeteiligung und damit ohne staatliche Vergütungsauflagen – wie zum Beispiel die Deutsche Bank und eine Reihe von kleineren, unabhängigen Unternehmen – sogar wieder mit mehrjährigen Einkommensgarantieen locken.

Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Opportunisten besser Vorsicht walten lassen sollten. Über Neueinstellungen schnell neue Geschäftsfelder erschließen zu wollen, ist riskant – in guten wie in schlechten Zeiten. HSBC baute während der letzten Rezession sein Geschäft mit Unternehmensfusionen– und Firmenübernahmen erfolgreich aus, allerdings zeigte sich bald, dass der Erfolg sich eher auf der Kosten- als der Ertragsseite niederschlug. Bear Stearns musste einen schnellen Rückzieher machen, nachdem während der Dotcom-Blase zu viele Mitarbeiter neu an Bord genommen wurden, die das Europageschäft aufbauen sollten.

Man braucht Durchhaltevermögen, um die hohen Kosten und geringen Erträge zu verkraften, die diese Expansion mit sich bringt. Den heutigen Bankenchefs und ihren Aktionären könnte es an dieser Geduld fehlen. Ein Wechsel an der Unternehmensspitze kann bewirken, dass die Strategien schon weder verworfen werden, bevor sie sich auszahlen können. In diesem Fall stellen die heutigen Einstellungen die Weichen für die Entlassungswelle von morgen.

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