Banken knausern bei Krediten
Kreditklemme: Unternehmen in Not

Ein Aushängeschild des Buyout-Booms, der Hersteller italienischer Luxusyachten Ferretti, ist Berichten zufolge zahlungsunfähig. Ein auf Gewerbeimmobilien spezialisiertes britisches Unternehmen sucht frisches Eigenkapital. Ein indischer Einzelhändler kann seine Sicherheitskräfte nicht mehr bezahlen. Während die jüngsten Wirtschaftsanalysen ein freundlicheres Bild zeichneten, scheint die Kreditkrise sich noch zu verschärfen.

Nach 18 Monaten Finanzkrise gibt es inzwischen einige Beobachter, die das Ende der wirtschaftlichen Talfahrt gekommen sehen. Aber selbst der vorsichtigste Optimismus passt nicht zu den Ankündigungen und Verhaltensweisen der Unternehmen.

Es stimmt zwar, dass einige der jüngsten Wirtschaftsberichte - aus den USA, der Eurozone, Großbritannien und China - wieder steigende Stimmungsindikatoren verkünden, allerdings auf denkbar niedrigem Niveau. Der Baltic Dry Index (ein Index für Frachtpreise auf internationalen Standardrouten für das Verschiffen von Massenfrachtgut) ist um mehr als 50 Prozent gestiegen, liegt damit aber immer noch um 90 Prozent unter seinem Höchststand vom vergangenen Juni. Und Goldman Sachs? globaler Frühindikator (Global Leading Indicatoe, GLI) deutet darauf hin, dass "die Talsohle im globalen Konjunkturzyklus in Sicht sein könnte".

Aber die Fortsetzung der Kreditkrise ist auf tragische Weise vorhersehbar. Ferretti, der italienische Yachtproduzent, der so deutlich zeigte, wie leicht und beiläufig Wohlstand und Kredit während des Kapitalmarktbooms verfügbar waren, hat jetzt laut Bloomberg die Zinszahlungen auf seine Schulden aus der Unternehmensübernahme ausgesetzt. Hammerson, ein britischer Immobilienentwickler, gab am Montag bekannt, eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Und das deutsche Unternehmen Schaeffler kämpft gegen die Aufspaltung, seit es durch die Übernahme der hochverschuldeten Continental, einem anderen deutschen Hersteller von Autoteilen, die eigene Schuldenlast dramatisch erhöhte.

Die Krise ist global. Indiens größter Discounter, Subhiksha Trading Services, wurde am Wochenende von einer Welle des Vandalismus überrollt, nachdem dem Unternehmen die Mittel ausgegangen waren, seine Sicherheitskräfte zu bezahlen. Berichten zufolge gab das Unternehmen zu "eine rechtzeitige Kapitalerhöhung vermasselt zu haben". Im Fernen Osten gehören wirtschaftliche Probleme mittlerweile zur Tagesordnung. Der japanische Autohersteller Nissan prognostiziert hohe Verluste und der koreanische Produzent elektronischer Bauteile LG warnt vor einem Gewinnrückgang in Dollar um 20 Prozent in diesem Jahr.

Natürlich werden die schlechten Nachrichten nicht versiegen, solange das Rezessionstal nicht durchschritten ist. Das Schlimmste könnte also tatsächlich bald vorbei sein. Aber die plausiblere Lesart für die nicht mehr ganz so dramatischen Wirtschaftsberichte ist, dass sich lediglich das Tempo der Talfahrt verringert hat. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im vergangenen September, froren die Kreditmärkte ein und die moderaten Wachstumsraten des BIP verwandelten sich in deutliche Verluste. Der Schrumpfungsprozess könnte sich nun verlangsamen.

Aber ob wir in pechschwarzen Zeiten leben oder ob das Wirtschaftsklima nur sehr stürmisch ist, Gelegenheiten Geld zu verdienen gibt es immer. Und wenn auch nur auf Kosten von Unternehmen, die unter Druck geraten sind. Beteiligungsunternehmen, die sich auf Sekundärmärkte spezialisiert haben, machen verlockende Positionen in den Portfolios der kapitalknappen Banken aus, die alle Aktiven verkaufen müssen, die sie nur loswerden können. Und Frank Quattrone, früher Banker bei der Credit Suisse, der zum Synonym für die Exzesse des IT-Booms wurde, expandiert mit seiner Beratungsboutique nach London. Er erwartet einen Run auf Technologiefusionen. Wie die Eingeweihten sagen, irgendwo ensteht immer eine Blase.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%