Banken
Lloyds muss nicht ganz mit Halifax brechen

Lloyds steht vor einem neuen Problem. Die Europäische Kommission verlangt, dass die britische Bank als Gegenleistung für die in Anspruch genommenen Staatshilfen einen großen Teil ihrer Kundenkonten abbaut. Es gibt eine Lösung, die auf den ersten Blick ganz einfach erscheint - die aber erhebliche Konsequenzen für zwei Beteiligte hat.
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Eine Trennung von der größten britischen Hypothekenbank Hallifax würde die Bedenken der europäischen Wettbewerbshüter auf einen Schlag zerstreuen. Für Lloyds, den CEO der Bank und Gordon Brown wäre das allerdings eine teure Lösung. Die Alternative ist sehr viel komplizierter, mit politischer Unterstützung aber möglich. Zum Glück gibt es sie - zumindest noch im Augenblick.

Der einfache Weg aus der Misere heißt Halifax verkaufen, das Unternehmen, dass Lloyds im Rahmen des HBOS-Deals übernommen hatte. Auf Halifax entfallen günstigerweise 12 Prozent der britischen Konten. Sich von der Bank zu trennen, würde mit einem Schlag alle Wettbewerbsprobleme lösen, ohne bei der praktischen Umsetzung allzu große Probleme zu verursachen - die Integration von HBOS ist schließlich noch in vollem Gange. Eine Lösung, die nach Meinung der EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes also absolut vernünftig ist.

Aber Lloyds will der Argumentation nicht folgen. Ein Verkauf von Halifax würde für Lloyds bedeuten, auf einen Großteil der Vorteile zu verzichten, die mit dem Kauf von HBOS verbunden waren. Stattdessen bliebe der Bank nur das traurige Firmenkundengeschäft, das Anfang des Jahres beinahe beiden Banken zum Verhängnis wurde. Der Lloyds-Chef Eric Daniels müsste den Aktionären erklären, warum er Lloyds durch ein Geschäft in Schwierigkeiten bringen musste, das der Bank keinerlei Nutzen stiftet, - und dann wohl mit ziemlicher Sicherheit seinen Hut nehmen.

Zum Glück für Daniels dürfte die gegenwärtige Labour-Regierung wohl eher auf seiner als auf EU-Seite stehen. Als der HBOS-Deal gestrickt wurde, setzte sich der Premierminister persönlich dafür ein, die strauchelnde Bank zu retten. Jetzt plötzlich Mitverantwortung am Untergang von Lloyds zu tragen - insbesondere vor einer Wahl - wäre vernichtend. Zumindest bis zum nächsten Wahltermin im kommenden Sommer dürfte Großbritannien sich also in Brüssel dafür stark machen, nicht auf dem sauberen Schnitt zu bestehen.

Die reale Lösung dürfte dagegen schwammig ausfallen. Lloyds könnte das Kontenproblem dadurch lösen, dass sich das Unternehmen von einem großen Teil seiner eigenen Privatkundenkonten trennt. Sein Marktanteil beträgt hier gegenwärtig 20 Prozent. Dann könnte die Bank einen Teil von Halifax verkaufen - vielleicht 50 Prozent. Dabei könnte sie den Markennamen behalten und den dominierenden 20-Prozent-Anteil am Hypothekenmarkt.

Der Ansatz wirkt allerdings zusammengewürfelt. Einen großen Teil eines Zweigstellennetzes abzubauen ist schwierig. Hinzu kommt, dass sich der Abbau des Marktanteils bei Privatkonten als problematisch erweisen könnte, da die Kunden entscheiden, welchem Bankennamen sie vertrauen.

Aber wo auch immer die Schwierigkeiten liegen, ein kompliziertes Ergebnis ist wahrscheinlicher als der einfache Weg. Brown und Daniels werden nicht so schnell bereit sein, einer Lösung zuzustimmen, die ihre Glaubwürdigkeit irreparabel beschädigt.

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