Banken
RBS im Würgegriff

Selbst wenn die RBS eine von institutionellen Anlegern finanzierte Aktienemission über drei Mrd. bis fünf Mrd. Pfund vornähme, würde die Bank immer noch zu achtzig Prozent dem britischen Staat gehören. Trotzdem ist der Plan lohnenswert.
  • 0

Wer ganz fest umklammert wird, freut sich über jeden noch so kleinen freien Atemzug. Der erdrückende Anteil von 70 Prozent, den die britische Regierung an der Royal Bank of Scotland (RBS) hält, würde sich auf 82 Prozent erhöhen, wenn das Kreditinstitut sich für die staatliche Versicherung für 294 Mrd. Pfund ihrer riskantesten Vermögenswerte anmelden würde. Jetzt erwägt die Bank eine Bezugrechtsemission, um diese unerwünschte Beteiligung unter der Marke von 80 Prozent zu halten. Der Vorteil könnte marginal erscheinen. Aber bei einer Einforderung von Barmitteln würde es um ungleich mehr gehen, als nur darum, die Verantwortlichkeit der Bank gegenüber den Steuerzahlern einer Feinabstimmung zu unterziehen.

Die Finanzberater der RBS haben dem Institut eröffnet, dass institutionelle Investoren eine Kapitalerhöhung über drei Mrd. bis fünf Mrd. Pfund Sterling finanzieren würden, berichtete eine mit der Sachlage vertraute Person. Damit wäre ein beträchtlicher Teil der Gebühr über 6,5 Mrd. Pfund abgehakt, die die RBS für den Versicherungsschutz zahlen will und zwar in Form von neuen B-Aktien, die an die Regierung ausgegeben werden.

Doch damit müsste die Bank aufgrund einer Nebenabsprache immer noch 13 Mrd. Pfund dieser speziellen Titel an den Staat emittieren, so wie sie dies im Februar neben der Versicherung gegen Kreditverluste ausgehandelt hatte. Bei einem Volumen von fünf Mrd. Pfund würde eine Bezugrechtsemission zu einer Reduzierung des Regierungsanteils auf 77 Prozent führen, falls der Staat sämtliche Rechte verkaufen würde. Das würde institutionelle Investoren kaum zu Luftsprüngen veranlassen.

Die zweite staatlich dominierte britische Bank, Lloyds Banking Group, will bei ihrem Versuch, die Regierung abzuschütteln, viel weiter gehen: Sie will die 260 Mrd. Pfund an Vermögenswerten, die für die Versicherung vorgesehen sind, um die Hälfte oder um bis zu drei Viertel reduzieren. Das Kreditinstitut steht noch nicht unter staatlicher Kontrolle - und setzt alles daran, dass dies auch so bleibt.

Die RBS würde zudem gern die Konditionen für ihre Teilnahme an dem Versicherungsprogramm gegen Kreditverluste neu aushandeln - besonders hinsichtlich einer Klausel, die von ihr verlangt, latente Steueransprüche von bis zu elf Mrd. Pfund aufzugeben. Doch ihre Verhandlungsmacht ist angesichts ihrer kleineren Basis an privaten Aktionären eingeschränkter. Den Anstieg des Anteils der Regierung leicht zu verringern, mag noch das beste Ergebnis sein, auf das die Bank hoffen kann.

Trotzdem würde eine erfolgreiche Bezugsrechtsemission andere wesentliche Vorteile mit sich bringen. Sie würde ein Signal aussenden, dass die Investoren der Strategie von Bank-Chef Hester vertrauen, den Verschuldungsgrad des Kreditinstituts abzubauen und das Haus wieder auf die weniger gewagten Bereiche des Bankgeschäfts auszurichten.

Und es wäre das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass die RBS-Aktionäre mit Geld herausrückten, das nicht direkt zur Vermeidung des völligen Untergangs verwendet werden würde. Dies würde die Stimmung der Anleger enorm beflügeln. Und das würde ein tragendes Fundament für künftige Verkäufe neuer Aktien durch die Firma legen - oder bestehender Aktien durch die Regierung.

Kommentare zu " Banken: RBS im Würgegriff"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%