Banken-Rettungsprogramm
Tarp-Rückzahlungen: Immer schön langsam

Es bedarf keiner großen Erklärungen, warum die US-Bankenchefs gern das Joch der Regierung abwerfen würden, indem sie die Tarp-Gelder zurückzahlen. Aber diese staatliche Unterstützung kommt billigem Kapital gleich. Es abzuziehen, bedeutet oft, die Aktionäre einer Verwässerung auszusetzen. Die Bankbosse sollten daher genau darlegen, warum sie das Geld zurückzahlen wollen.
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Sollten es die US-Banken wirklich so eilig damit haben, die Kapitalspritzen der Regierung zurückzuzahlen? Diese Frage klingt jetzt vielleicht seltsam, nachdem sich erst vor ein paar Monaten der US-Kongress rückwirkend in die Geschäfte der Banken eingemischt hat - man denke im Besonderen an die Debatten um die Strafsteuer auf Boni. Warum die Institute das Joch der Regierung abwerfen wollen, scheint also keiner großen Erklärungen zu bedürfen. Doch dieser Aufruhr hat sich jetzt erst einmal gelegt. Und die staatlichen Mittel vorzeitig zurückzuzahlen, bringt auch Nachteile mit sich.

Zunächst einmal handelt es sich dabei um billiges Kapital. Die Banken, die sich gerade darum drängeln, es zurückzuzahlen, müssen im Jahr nur fünf Prozent dafür berappen. Einen besseren Satz erhalten sie nirgendwo. Dieses Kapital einzusetzen, sollte die Ergebnisse stützen. Und darüber sollte niemand die Nase rümpfen, besonders nicht in einer Rezession.

Darüber hinaus kann die Rückzahlung des Kapitals, das das US-Finanzministerium gemäß seinem Troubled Asset Relief Programme (Tarp) bereitgestellt hat, zu einer Verwässerung der Aktionäre führen. Die Banken überbieten sich gerade darin, sich neues Kapital zu beschaffen: Die Bank of New York Mellon, BB&T, Capital One und US Bancorp haben neue Aktien über zusammen 7,7 Mrd. Dollar verkauft. Nur der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, hat klipp und klar gesagt, dass seine Bank kein weiteres Kapital braucht, um die Tarp-Mittel zurückzuzahlen.

Nehmen wir BB&T. Die im US-Bundesstaat North Carolina ansässige Bank arbeitet rentabel, sie hat den Stresstest der US-Regierung mit Bravour bestanden und muss deshalb kein zusätzliches Geld einsammeln. Doch ihr Aktienverkauf über 1,5 Mrd. Dollar wird die Aktionäre um etwa zwölf Prozent verwässern. Und das Institut hat gerade die Dividende gekürzt, wie so viele andere Branchenkollegen in den vergangenen Monaten auch.

Zufälligerweise könnte es BB&T mit Mühe gelungen sein, genug zu verdienen, um ihre Auszahlung abzudecken. Trotzdem summiert sich all das, worauf die Aktionäre verzichten müssen - und alles nur, um die Banken vor der Einmischung der Regierung zu bewahren, die sich - im Moment - darauf beschränkt, die Bonuszahlungen für die fünf Spitzenmanager eines Instituts und die 20 bestbezahlten Mitarbeiter auf ein Drittel des Gehalts zu begrenzen, dem wiederum selbst keine Beschränkungen auferlegt wurden.

Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass die Gesetzgeber alle möglichen Zusatzzwänge beschließen. Und selbst wenn sie dies nicht tun, könnten potenzielle Mitarbeiter davor zurückscheuen, sich Kreditinstituten anzuschließen, die durch Tarp-Mittel beeinträchtigt werden. Dann wäre eine Rückzahlung der Gelder an die Regierung durchaus eine gute Idee. Doch die Bankenchefs sollten mehr tun, als sich zur Begründung ihrer Schritte lediglich auf Gemeinplätze zu verlassen.

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