Banken
Sarkozympathisch

Société Générale hat den Finanzvorstand der Bank, Frédéric Oudea, zum neuen Vize-Vorstandschef ernannt. Damit wird Oudea als wahrscheinlicher Nachfolger für den unter Beschuss geratenen Vorstandschef Daniel Bouton gehandelt. Er wird zwar vermutlich die arrogante Risikokultur der Bank nicht verändern. Aber wenigstens sollte er gut mit Sarkozy auskommen.

Vor zwei Monaten saß Daniel Bouton in der Klemme. Der Vorstandschef von Société Générale musste zugeben, dass die Bank, die er seit einem Jahrzehnt mit Stolz leitet, fünf Mrd. Euro wegen der betrügerischen Handelsabschlüsse eines rangniederen Mitarbeiters verloren hatte. Bouton hatte seinen Rücktritt angeboten, der aber prompt vom Verwaltungsrat abgelehnt worden war. Es war Boutons Chaos, Bouton sollte es auch aufräumen.

Dann legte sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy mit wiederholten Andeutungen ins Zeug, Bouton, dessen Beziehungen zum Präsidenten nie gut waren, solle gehen. Mit diesem Vorschlag mag Sarkozy vielleicht in den Wählerumfragen gepunktet haben, aber das Bankendirektorium hat sich lobenswerterweise dem plumpen Druck des Präsidenten widersetzt.

Bouton selbst sagt, er werde sein Amt nicht niederlegen. Praktisch gesehen, könnte er dies jetzt aber tun. Die Ernennung von Frédéric Oudea, dem Finanzvorstand von SocGen, zum Vize-Vorstandschef hat Bouton jetzt einen Nachfolger in Wartestellung beschert.

Bouton könnte nach der Aktionärsversammlung der Bank im Mai ausscheiden, oder vielleicht wartet er auch noch bis zum Herbst. Aber die Zeichen an der Wand sind deutlich zu erkennen, während SocGen auf härtere Zeiten zusteuert. Die aggressive Persönlichkeit des Vorstandschefs könnte sich als Hindernis für Allianzen oder Fusionen mit anderen europäischen Banken erweisen.

Dass die Wahl auf einen internen Mitarbeiter von SocGen gefallen ist, sieht wie eine verpasste Chance aus. Frisches Blut hätte vielleicht den nötigen Schwung gebracht, um die arrogante Kultur des Risikomanagements der Bank zu ändern, die allgemein als die eigentliche Ursache für ihre Schwierigkeiten betrachtet wird.

Sicher, Oudea hat sich dadurch empfohlen, dass er inmitten des Mega-Betrugsfalls als führender Kopf eine Bezugrechtsemission auf die Beine gestellt hat. Aber als Finanzvorstand der Bank war er auch für die Risikokontrollen zuständig. Wenn diese besser funktioniert hätten, hätte der Jahrhundertbetrug gleich ganz vermieden werden können.

Der 45jährige Oudea gehört einer neuen Generation von französischen Managern an, auch wenn er denselben Elitehochschulen entstammt wie seine älteren Kollegen. Und er hat etwas, was Bouton nicht hat. Oudea hat seine Karriere Anfang der neunziger Jahre als Berater des französischen Wirtschaftsministers begonnen. Der Name des Ministers war Nicolas Sarkozy. Paris ist klein.

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