Banken
UBS blickt der Wahrheit ins Auge

Die guten Ergebnisse von Goldman Sachs haben am Markt Euphorie ausgelöst, bei UBS jedoch herrscht weiter Krisenstimmung: bei der Schweizer Bank sollen nach neuen Verlusten und der Abwanderung von Kunden 11 Prozent der Arbeitskräfte gehen. Die Zahl der Mitarbeiter sinkt zurück auf das Niveau von 2004. Möglicherweise ist UBS ein besserer Indikator für die Zukunft der Branche als Goldman Sachs.
  • 0

Goldman Sachs liefert ein umwerfendes erstes Quartal ab und verspricht der Belegschaft hohe Bonuszahlungen. Ein paar Tage später kündigt UBS an, 8.700 Stellen zu streichen und meldet einen Quartalsverlust in Höhe von 2 Milliarden Schweizer Franken. Keine der beiden Banken kann wirklich als repräsentativ für die Branche gelten, aber UBS ist möglicherweise der bessere Frühindikator.

Die jüngsten Verluste der Schweizer Investment- und Vermögensberatungsbank ergaben sich nach dem Verkauf von illiquiden Vermögenswerten im Wert von 39,1 Milliarden Dollar an die Schweizer Zentralbank. Nach Entsorgung dieser Werte bleiben UBS zweifelhafte Monolines (Kreditversicherungen), Finanzierungen von Unternehmensübernahmen und Auction Rate Securities (Finanzierungsinstrument über das sich hauptsächlich Kommunen und öffentlich-rechtliche Institutionen finanzieren) im Volumen von 22 Milliarden Dollar.

Wahrscheinlich sind es die Abschreibungen auf diese Problemkredite sowie weitere 300 Millionen Schweizer Franken, die mit dem Verkauf der letzten Tranche an die Zentralbank fällig wurden, die für einen Großteil der neuen Verluste von 3,6 Milliarden Schweizer Franken verantwortlich sind. Die Kernkapitalquote nach Tier 1 fiel um mehr als einen Prozentpunkt auf rund 10 Prozent. Auch wenn UBS eine höhere Konzentration von Risikowerten aufweist als der Rest der Branche und der neue Chef Oswald Grübel besonders konservative Bewertungen verlangt, kann diese Entwicklung nur als schlechtes Zeichen für den Bankensektor gewertet werden.

Natürlich muss die UBS mit einem Problem fertig werden, von dem der Rest der Branche weitgehend verschont geblieben ist: einem Vermögensverwaltungsarm, dessen Zustand immer schlechter wird. Fast drei Prozent des verwalteten Vermögens kehrte der Bank im vergangenen Quartal den Rücken. Und auch die jüngste Einigung mit den amerikanischen Steuerbehörden, die einem Schlag gegen das Bankgeheimnis gleichkommt, dürfte weitere Kunden in die Flucht schlagen.

Sowohl die brancheneinheitlichen als auch die spezifischen Probleme spielen dem Sanierungsansatz Grübels, der den Führungsposten bei UBS im Februar übernahm, in die Hände. Das Management kann der Markt- beziehungsweise Umsatzentwicklung nicht viel entgegensetzen, aber es kann die Kosten senken. Durch erneute Stellenstreichungen um 11 Prozent soll die Belegschaft auf 67 500 Mitarbeiter verkürzt werden - ein drastischer Rückgang auf das Personalniveau von 2004. Die Kürzungen werden von einigen Vereinfachungen und der Rückkehr zu einem Geschäftsmodell begleitet, das UBS wieder näher an die Form bringt, die die Bank vor 5 Jahren aufwies.

Nicht alle Banken werden einfach auf ihre Vorkrisengröße zusammenschrumpfen. Die relativen Sieger wie zum Beispiel Goldman werden Marktanteile hinzugewinnen, andere werden dahinschwinden. Die meisten Investmentbanking-Aktivitäten ähneln allerdings eher dem UBS - als dem

Die Bankenvorstände haben das erste Quartal schöngeredet. Aber nach dem heutigen Stand wirken Grübels pessimistischer Ausblick sowie seine defensiven Maßnahmen beängstigend glaubwürdig.

Kommentare zu " Banken: UBS blickt der Wahrheit ins Auge"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%