Banken
UBS: Schweizerisches Glashaus

Die UBS behauptet, Jefferies & Co habe widerrechtlich 36 Banker abgeworben. Ironischerweise bahnt sich das US-Brokerhaus seinen Weg in die Oberliga der Wall Street auf genau dieselbe Weise wie die schweizerische Bank dies vor zehn Jahren selbst getan hatte. Jefferies heuerte sogar einen UBS-Spitzenmann an, der den Broker einst als „minderwertig“ bezeichnet hatte.
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Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Nachdem die UBS in den vergangenen zehn Jahren ihr US-Geschäft aufgebaut hat, indem sie den Konkurrenten deren führende Bankenteams ausgespannt hat, kann die Schweizer Großbank es scheinbar nur schwer ertragen, wenn ihr dasselbe widerfährt. Sie hat daher eine Schlichtungsklage eingereicht, bei der sie Jefferies & Co beschuldigt, drei Dutzend Banker, die auf das Gesundheitswesen spezialisiert sind, abgeworben zu haben.

Die Ironie des Überraschungsangriffs von Jefferies, und der Reaktion der UBS darauf, ist an der Wall Street sehr wohl registriert worden. Tatsächlich handelt es sich bei dem Topmanager, der den Wechsel mitarrangiert haben soll - von dem die UBS behauptet, er komme einer "fast vollständigen Plünderung" des Bereichs Gesundheitswesen gleich -, um keinen geringeren als Benjamin Lorello. Der ehemalige Citigroup Smith Barney-Banker hatte sein Team 1999 mit zur UBS gebracht. Zeitgleich setzte die letzte große Expansionswelle der Schweizer Bank an der Wall Street ein.

Auch wenn die UBS bereits Dillon Read und PaineWebber gekauft hatte, fing sie an, Spitzenleute und deren Mannschaften bei der Konkurrenz abzugreifen. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, zu dem deren Arbeitgeber sich unter den Nachwirkungen des Dotcom-Crashs krümmten. Neben anderen nahm die Bank Ken Moelis von Donaldson, Lufkin & Jenrette an Bord, während diese Firma in der Credit Suisse aufging - noch dazu mit einem dreijährigen Vertrag über angebliche 60 Mill. Dollar.

Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Kaum eine andere europäische Bank ist in den vergangenen Jahren so stark in Mitleidenschaft gezogen worden wie die UBS. Das Kreditinstitut musste sich dramatischen Kürzungen unterziehen. Sie hat als Erste ein Bonussystem eingeführt, bei dem die Banker der Gefahr von Rückforderungen ausgesetzt sind, wenn ein Deal schief geht.

Da passt es doch bestens ins Bild, dass ausgerechnet der Banker, dessen Einstellung vor einem Jahrzehnt den Großangriff der UBS auf den US-Markt einläutete, derjenige ist, der sich mit der größten Schar an Talenten zu einer viel versprechenden Firma aufmacht. Das ist natürlich nicht der einzige ironische Aspekt an dem Vorgang. Laut einem Artikel der "New York Times" aus dem Jahr 2003 befand Lorello einst, sein neuer Arbeitgeber Jefferies sei eine "minderwertige Firma". Wie immer an der Wall Street lautet auch hier die Moral an der Geschichte: Geld kennt keinen Groll.

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