Banken
Unicredit trotzt den härtesten Kritikern

Das Ergebnis der italienischen Bank fiel besser als befürchtet aus. Vielleicht war der 80-prozentige Kursverlust im vergangenen Jahr doch etwas übertrieben. Aber die Situation in Italien hat sich verschlechtert, Osteuropa läuft schlecht, eine Dividende gibt es nicht und die Bank braucht 4 Milliarden Euro an frischem Kapital. Unicredit ist noch nicht über den Berg.
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Alessandro Profumo straft seine härtesten Kritiker Lügen. Trotz erheblichem Engagement in Mittel- und Osteuropa konnte Unicredit mit Profumo als Chief Executive im vierten Quartal bessere Ergebnisse berichten als allgemein erwartet. Vielleicht war der Kurssturz um 80 Prozent im vergangenen Jahr doch etwas zu tief. Aber Unicredit ist noch nicht über den Berg.

Das Nettoergebnis für das Gesamtjahr, das im Dezember zu Ende ging, lag mit 4 Milliarden Euro etwas besser als vom Unternehmen selbst prognostiziert. Gestützt wurde der Gewinn durch ein überraschend gesundes Nettozinsergebnis, das im vierten Quartal um 12 Prozent zulegen konnte. Hinzu kommt, dass Profumo mit der Geschäftsentwicklung im Januar und Februar über einen guten Start ins Jahr 2009 berichtete, wobei Osteuropa einen "soliden Beitrag" geleistet habe.

Unicredit gehört zu den wenigen europäischen Banken, die immer noch Gewinn erwirtschaften, die Aktien des Konzerns werden allerdings zu einem Kurs/Gewinn-Verhältnis 2009 gehandelt, dass mit 3,5 unter dem anderer Banken liegt. Hinzu kommt, dass die Bank offensichtlich ein dickes Polster gegen mögliche Verluste in Osteuropa aufbauen konnte. Nach Unternehmensangaben können 40 Prozent der Kredite notleidend werden, bevor die Bank in die Verlustzone rutscht.

Dennoch wird 2009 ein hartes Jahr werden. Osteuropa wird, um es vorsichtig auszudrücken, eine Herausforderung bleiben und die Wirtschaftslage in Italien trübt sich ebenfalls weiter ein. Bei einem prognostizierten Rückgang des BIP um 3 bis 3,5 Prozent werden sich Kreditausfälle nicht vermeiden lassen. Die Zahl der Problemkredite auf der Unicredit-Beobachtungsliste ist in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres bereits um 27 Prozent gestiegen. Die Abschreibungen auf notleidende Kredite stiegen um ein Viertel.

Also will Profumo die Kapitalreserven über die 6,6 Milliarden Euro hinaus aufstocken, die er bereits im Oktober einplante. Jetzt sucht Unicredit zusätzlich 4 Milliarden Euro - die vom italienischen und österreichischen Staat sowie privaten Anlegern kommen sollen. Damit könnte die Bank ihre immer noch relative magere Tier-1-Kernkapitalquote auf das sicherere Niveau von 7,3 Prozent anheben. Aber das zusätzliche Kapital hat seinen Preis. Die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen heißt auch, dass die italienische Regierung sich das Recht nehmen könnte, ein Wörtchen mitzureden. Das wiederum könnte bedeuten, dass die Bank auch wenig profitable Kredite vergeben muss.

Gleichzeitig dürfte es nicht einfach werden, die privaten Anleger zu finden, die Unicredit braucht, um sich die günstigen Bedingungen für die staatliche Kapitalspritze aus Österreich - über die Tochtergesellschaft Bank Austria-zu sichern. Billig jedenfalls wird das nicht. Profumos internationale Expansionsstrategie wirkt inzwischen jedenfalls gar nicht mehr so clever. Aber die jüngsten Ergebnisse geben zumindest Hoffnung, dass Unicredit die harten Zeiten ohne allzu großen Schaden überstehen wird.

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