Banken-Verstaatlichung
Mit der Begeisterung eines Bekehrten

Die US-Regierung setzt alles daran, eine Verstaatlichung der Banken des Landes zu umgehen. Ihr geplanter "Kapitalpuffer" soll sicherstellen, dass die Kreditinstitute gut mit Kapital ausgestattet sind, dabei aber außerhalb der staatlichen Kontrolle bleiben. Das ist ein nobles Ansinnen. Doch in der Praxis könnten die Steuerzahler den Kürzeren ziehen.

Die US-Regierung setzt alles daran, um eine Verstaatlichung der Banken des Landes zu umgehen. Darauf deuten die jüngsten Pläne hin, mit denen sie marode Finanzinstitute rekapitalisieren will. Nachdem die Märkte in der vergangenen Woche angesichts der Möglichkeit, dass sowohl die Bank of America (BofA) als auch Citigroup verstaatlicht werden könnten, in Panik ausgebrochen waren, ist es kaum verwunderlich, dass die Aktionäre erst einmal erleichtert aufatmen. Die Steuerzahler allerdings könnten letztendlich den Kürzeren ziehen.

Die US-Regierung wird den Banken kein Stammaktienkapital zuführen. Stattdessen wird sie an jeder Bank, die bei einem Belastungstest durchfällt, Vorzugsaktien kaufen, die mit einer Wandlungspflicht verbunden sind. Damit soll schon in dieser Woche begonnen werden. Vorherige Kapitalspritzen, die in Form von reinen Vorzugsaktien verabreicht worden waren, können ebenfalls gegen diese neu geschaffenen Papiere mit Wandlungspflicht getauscht werden.

Diese neue Kapitalklasse soll nur dann in Stammaktien gewandelt werden, wenn die Bank dies benötigt. Die Regierung wird letztendlich vielleicht trotzdem große Portionen an den Banken halten, aber sie unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, um diesen Unglückstag hinauszuschieben. Angesichts der Gefahren politischer Einflussnahme ist es richtig, die Verstaatlichung als letztes, und nicht als erstes Mittel in der Not zu betrachten.

Der Zwangsaspekt der Wandlung könnte den Eindruck erwecken, dass die Aktionäre benachteiligt werden. Aber dies erscheint unwahrscheinlich - zumindest wenn US-Finanzminister Tim Geithner sich an das hält, was er Anfang des Monats angekündigt hat. Geithner hatte damals gesagt, dass der Kurs, zu dem das neue Kapital in Stammaktien gewandelt werden würde, einem moderaten Abschlag gegenüber dem Aktienkurs vom 9. Februar entsprechen werde.

Die Aktien von Citigroup hatten an diesem Tag mit 3,95 Dollar notiert, die Titel der BofA mit 6,90 Dollar. In beiden Fällen entspricht dies in etwa dem Doppelten des Kurses vom vergangenen Freitag. Eine Wandlung der staatlichen Beteiligung über 45 Mrd. Dollar an jeder Bank zu diesem Kurs würde für die Stammaktionäre zwar immer noch eine markante Verwässerung mit sich bringen. Die US-Regierung würde dann 68 Prozent an Citigroup und 51 Prozent an der BofA halten. Aber wenn das Stammaktienkapital der Banken ausgelöscht wird, wird es wie ein gutes Geschäft erscheinen, den Steuerzahlern Aktien zum Doppelten des Freitags-Kurses anzudrehen.

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