Bankenboni
Tanz um den Bonusdeckel

Sarkozy reicht es nicht, die Boni der Banker zu begrenzen. Er will, dass auch die G20-Länder die Prämien kappen – oder sie besteuern. Das klingt nach weitreichender Einmischung, hat aber andererseits kaum Aussicht auf die Zustimmung der Amerikaner. Sarkozy sollte weniger populistisch argumentieren und sich stärker für eine produktive internationale Lösung einsetzen.
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Draufschlagen, dann wird sich schon was bewegen. Das scheint Nicolas Sarkozys Strategie für internationale Konferenzen zu sein: ein Thema finden, es auf die Spitze treiben, spektakuläre Lösungsansätze bieten und gleichzeitig den Wählern versprechen, sich niemals mit weniger zufriedenzugeben. Diesmal hat sich Sarkozy die Bonuszahlungen der Banken zum Thema für den G20-Gipfel am Ende des Monats in Pittsburgh auserkoren. Aber mit seinen äußerst radikalen Vorschlägen zur Begrenzung der Vergütungen riskiert er andere Konferenzteilnehmer gegen sich aufzubringen, vor allem Großbritannien und die USA.

Schon in der vergangenen Woche gelang es Sarko, die französischen Banken dazu zu bewegen, die Beschlüsse der G20 vom vergangenen April umzusetzen: die Bonuszahlungen über mehrere Jahre zu verteilen und eine Rückgriffsklausel einzubauen, die wirksam wird, wenn sich Geschäfte im Nachhinein als Fehlschläge erweisen. Jetzt aber will er mehr. Sein Ziel ist ein internationales Abkommen zur Bonusbegrenzung - oder eine entsprechende Besteuerung. Im Gepäck hat er verschiedene Vorschläge, die er seinen G20-Kollegen unterbreiten will: eine Begrenzung der variablen Vergütung auf einen bestimmten Prozentsatz der Betriebsergebnisse, eine Steuer für Banken, die ihre Bonuszahlungen nicht limitieren oder eine absolute Obergrenze für die Gehälter von Bankern.

All diese Vorschläge bedeuten Eingriffe, der weit über das tolerierbare Maß hinausgehen. Wenn sie umgesetzt werden, sollte man sich über unvorhergesehene Folgen nicht wundern. So könnte eine Deckelung der Bonuszahlungen dazu führen, dass die fixen Gehaltsbestandteile der Händler aufgestockt werden. Zwar könnte ein Finanzdienstleistungssystem grundsätzlich sinnvoll sein, dass für einen Teil der de-facto-Deckung der Steuerzahler für Finanzexzesse aufkommt. Aber eine Steuer auf Bankenboni würde hier nur Spuren verwischen.

Sarkozys gesamte Stategie ist zweifelhaft, weil sie nur darauf abzielt, mit seiner Rhetorik gegen die Reichen, möglichst schnelle politische Erfolge zu erzielen. Sein Vorstoß ist innenpolitisch ausgerichtet, er weiß sehr wohl, dass er damit in Pittsburgh kaum Aussicht auf Erfolg haben wird.

Seine Kollegen auf der G20-Konferenz sollten ihn daran erinnern, dass Bonusbeschränkungen noch nie ein Selbstzweck waren. Das eigentliche Ziel besteht darin, riskante Verhaltensweisen in der Finanzwelt einzudämmen - damit es nicht wieder zu einem Desaster wie in den vergangenen beiden Jahre kommt. Aus einem anderen Grund sollte Joe Traders Gehaltspaket die internationale Führungsriege auch nicht nur eine einzige Minute beschäftigen.

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