Bankenchefs
Das Problem mit der Glaubwürdigkeit

Verluste, Boni und Unternehmensjets - alles kam auf den Tisch, als sich am Mittwoch acht prominente amerikanische Banker vor dem US-Kongress rechtfertigen mussten. Doch zumindest ein Kongressabgeordneter gab zu, dass auch seine Branche - die Regierung - ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Es wird noch lange dauern, bis sich zwischen den beiden Gruppen wieder eine gemeinsame Basis aufbauen lässt.

Acht CEOs amerikanischer Banken haben sich am Mittwoch in Washington dem Beschuss durch die US-Kongressabgeordneten gestellt. Doch zumindest ein Vertreter der Demokraten, Gregory Meeks, gab zu, dass auch seine Branche - die Regierung - ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Und einige seiner Kollegen und Kolleginnen machten dies durch ihre Fragen nur umso deutlicher. Zwischen den beiden Gruppen muss noch viel Arbeit in die Wiederherstellung eines Vertrauensverhältnisses investiert werden.

Der Chef der Citigroup, Vikram Pandit, entschuldigte sich dafür, dass seine Bank sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten und den Auftrag für einen neuen Unternehmensjet erst mit großer Verspätung storniert hat. Ken Lewis wurde wegen der Akquisition von Merrill Lynch durch die Bank of America ein wenig eingeheizt. Alle acht beteuerten, für 2008 keine Boni in Anspruch nehmen zu wollen. Und Pandit ergänzte, sein Gehalt auf nur einen Dollar zu beschränken, bis die Citigroup wieder Gewinne vorzeigen kann. John Mack von Morgan Stanley betonte gar, seinen Job so sehr zu lieben, dass er gleich ganz auf eine Entlohnung verzichten würde.

Gleichzeitig unterstützten die meisten der CEOs die Idee einer neuen Oberaufsicht, um das Puzzle der US-Finanzmarktregulierung zu einem Ganzen zusammenzufügen - das Gebiet, auf dem das Versagen der Gesetzgeber in der Vergangenheit am deutlichsten zu Tage tritt. Doch während der Debatte kamen auch andere Unzulänglichkeiten der Politiker ans Licht.

Maxine Waters, eine Demokratin aus Kalifornien im Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses, schien der Meinung zu sein, dass die Banken, die Mittel von der Regierung gemäß dem Troubled Asset Relief Programme erhielten, diese dafür einsetzen sollten, um es für die Leute einfacher und billiger zu machen, Schulden auf ihren Kreditkarten anzuhäufen. Es war noch mehr Unfug dieser Art zu hören, wobei hier und da auch kenntnisreiche Bemerkungen abgegeben wurden, die aber den Eindruck erweckten, als gingen sie nicht über einen Einzeiler hinaus, mit dem der betreffende Politiker vorher instruiert worden war.

Es gab allerdings durchaus auch eine Vielzahl an guten Fragen und es ist absolut angebracht, dass die Gesetzgeber ein starkes Interesse an den Tag legen - schließlich haben die Banken enorme und wirtschaftlichen Schaden bringende Verluste angehäuft und bedürfen massiver Kapitalspritzen, die die Steuerzahler bereit stellen. Doch die Art und Weise, wie sich manche Politiker in Pose geschmissen haben, dient als Mahnung dafür, dass die Verstaatlichung und andere Formen der staatlichen Kontrolle über die Finanzwelt nur als allerletztes Rettungsmittel dienen dürfen.

Um fair zu bleiben, tragen die CEOs - deren noch so sorgfältig einstudierte kollektive Reue das gelegentliche Aufblitzen der Verzweiflung nach dem Motto "Wir sind die Herren des Universums, was wollt ihr eigentlich?", besonders bei Ken Lewis, nicht verbergen konnte - zusammen mehr direkte Verantwortung an den Exzessen, die der derzeitigen Krise vorangingen, als die Gesetzgeber. Doch immerhin ergaben ihre Darlegungen mehr Sinn. Jetzt, da sie sich auf die vor ihnen liegende Aufgabe konzentrieren, setzen die Insider darauf, dass die Banker, selbst ohne ihre Boni, sich schneller zusammenreißen als die Möchtegern-Regulierer - und ihren Vorsprung um einige Längen auch halten können.

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