Bankenkrise
Managergehälter: Wer bezahlt, bestimmt

Zu Recht besteht das US-Finanzministerium auf Einschränkungen bei der Bezahlung der Bankenbosse, wenn deren Institute von Regierungsgeldern profitieren. Aber die Regelungen scheinen nicht allzu strikt oder zielgerichtet zu sein. Paulson sollte – wie die britischen Aufsichtsbehörden – ehrgeiziger sein, um die Angelegenheit längerfristig zu regeln.

Wer bezahlt, darf angeblich auch bestimmen. Und Hank Paulson, der US-Finanzminister, besteht zu Recht auf einigen Einschränkungen bei der Bezahlung der Bankenbosse, wenn deren Firmen von Regierungsgeldern profitieren. Aber er und seine Kollegen sollten einen größeren Ehrgeiz an den Tag legen, um die Vergütungspraktiken längerfristig zu ändern.

Nicht etwa deswegen, weil die Bankentitanen nicht gut bezahlt werden sollten. Aber wie sich im vergangenen Jahr oder darüber hinaus gezeigt hat, kommt eine Vergütungsphilosophie, bei der die Banker jedes Jahr gigantische Boni kassieren, die auf kurzfristigen Gewinnen aus Boom-Zeiten basieren und die sich ansammelnde Risiken kaum berücksichtigen, letztendlich die Investoren, die Regierungen und die Steuerzahler teuer zu stehen. Was die Vergütungsstruktur angeht, müssen große Veränderungen vorgenommen werden.

Die Regelungen des US-Finanzministeriums scheinen sich dieser Herausforderung nicht mit allzu großer Begeisterung anzunehmen. Zunächst einmal betreffen sie lediglich die fünf Manager, die ganz oben in der Bankenhierarchie stehen - und dies ohnehin nur bei Firmen, die die Hilfe der Regierung in Anspruch nehmen. Da fehlt, verglichen mit den Vorschlägen von Hectors Sants, der die britische Aufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA) leitet, der nötige Ehrgeiz. Sants hat in dieser Woche gleich Dutzenden von CEOs britischer Banken die Idee unterbreitet, eine Veränderung der Vergütungsstruktur für alle relevanten Mitarbeiter vorzunehmen, und er hat darauf verzichtet, dies nur auf Banken zu beschränken, die Regierungsunterstützung erhalten.

Die US-Behörden scheinen sich zudem nur eng auf Abfindungszahlungen und die steuerliche Absetzbarkeit der Gehälter für Spitzenkräfte zu konzentrieren. Man muss fairer Weise allerdings einräumen, dass Paulson durchaus weitere Gehaltsbedingungen für Banken plant, in die das Finanzministerium direkt investiert. Unglücklicherweise sind diese Konditionen, die darauf abzielen, eine unerwünscht hohe Risikobereitschaft einzudämmen, ein wenig vage. Wenn das Ministeriumsteam nur den Willen dazu hat, dann könnten diese Bedingungen vielleicht so ähnlich wie die von den Briten vorgelegten Vorschläge interpretiert werden.

Sants schlägt unter anderem vor, den Bonuszahlungen die Gewinne aus mehr als nur einem Jahr zu Grunde zu legen, dabei das Risiko und nicht finanzielle Faktoren zu berücksichtigen und einige Zahlungen von einer möglichen Rückforderung im Falle künftiger Verluste abhängig zu machen. Die FSA will den Boards, den Personalabteilungen und den Risiko-Experten zudem zu einer größeren Unabhängigkeit und zu mehr Spielraum verhelfen, um die Vergütung zu beeinflussen.

Das US-Finanzministerium wird für einige Jahre die bisher nie da gewesene Gelegenheit haben, solche Ideen mit aller Härte zu verfolgen. Und die Chance geht über die schriftlich niedergelegten Regeln hinaus, denn eine verstärkte Überprüfung könnte dazu beitragen, auf andere Weise Verhaltensänderungen zu bewirken.

Weder Paulson noch ein den Banken vielleicht weniger freundlich gesinnter Nachfolger im Amt des Finanzministers sollten versuchen, den Banken vorzuschreiben, wie viel sie ihren Spitzenleuten zahlen. Aber sie können - und sollten - darauf hinarbeiten, dass die Banker der Zukunft gut für anhaltende Erfolge und nicht für flüchtige Gewinne und das Scheitern bezahlt werden.

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