Bankenkrise
Zuckerbrot und Peitsche für ING

Die Rettung für die ING über zehn Mrd. Euro ist Zuckerbrot und Peitsche zugleich. Im Vergleich zum gegenwärtigen Aktienkurs zahlen die niederländischen Finanzbehörden einen Aufschlag. Das ist großzügiger als einige der anderen staatlichen Rettungsaktionen. Aber ganz ungeschoren lässt die Regierung die Banken- und Versicherungsgruppe nicht davonkommen.

Die Rettung für die ING über zehn Mrd. Euro ist Zuckerbrot und Peitsche zugleich. Im Vergleich zum gegenwärtigen Aktienkurs zahlen die niederländischen Finanzbehörden einen Aufschlag für einen Plan, der die Aktionäre der Bank nicht der Verwässerung aussetzt. Das ist großzügiger als einige der anderen staatlichen Rettungsaktionen. Aber ganz ungeschoren lässt die Regierung die Banken- und Versicherungsgruppe auch wieder nicht davonkommen.

Das niederländische Notpaket injiziert der Gruppe das Kapital mit einiger Fingerfertigkeit. ING erhält ihre zehn Mrd. Euro in Form von Wertpapieren, die Schuldtiteln ähnlich sind, die als Kernkapital klassifiziert sind. ING zahlt den Behörden im Gegenzug einen Mindestkupon von 8,5 Prozent - aber nur wenn die Aktionäre eine Dividende erhalten. Wenn nicht, kann die ING der Peitsche der Regierung drei Jahre lang ausweichen.

Auf den ersten Blick scheint das Rettungsprogramm der Niederländer dezenter zu sein als die Nothilfe anderer Staaten. In Großbritannien, zum Beispiel, ist die Regierung dazu entschlossen, umfangreiche Anteile zu übernehmen, was bei den Aktionären zu einer Verwässerung führt. Und sie wird vielleicht sogar die Zahlung einer Dividende unterbinden, bis ihre Vorzugsaktien bedient sind.

Aber auch die Niederländer lassen nichts anbrennen. Zunächst einmal dämmen die Behörden die Vergütung ein, sie erhalten zwei Sitze im Verwaltungsrat und sie fordern auch ihren Preis.

Jedes Mal wenn die ING sich für eine Dividendenzahlung entscheidet, muss sie der Regierung den 8,5prozentigen Kupon zahlen. Wenn das Unternehmen den Aktionären eine Dividende von mindestens 8,5 Prozent zuerkennen will, bekommt die Regierung mehr. Im Jahr 2009 haben die Behörden ein Anrecht auf zehn Prozent mehr, als die Dividende beträgt; in den darauf folgenden Jahren sind es mindestens 20 Prozent extra.

Darüber hinaus muss die ING, wenn sie die Regierung wieder abschütteln will, 15 Mrd. Euro für die zehn Mrd. Euro umfassende Kapitalspritze hinblättern. Wenn dies bis 2011 noch nicht erfolgt ist, erhalten die niederländischen Behörden nicht weniger als ihre ursprüngliche Kapitalzufuhr.

Sollten die ING-Aktien dahinwelken, dann erhalten die Behörden garantiert ihre zehn Mrd. Euro in bar zurück, und zwar ab 2011. Eine moderate Erholung, etwa auf zwölf Euro je Aktie, würde der Regierung einen Gewinn über zwei Mrd. Euro einbringen, wenn sie ihre Wertpapiere in einem Verhältnis von eins zu eins in Stammaktien tauscht.

Aber wenn die ING-Aktien schneller auf mehr als 15 Euro je Aktie zulegen, dann wird die Gruppe das Geld und den Anreiz haben, die 15 Mrd. Euro zurückzuzahlen, um sich ihre Freiheit zu sichern. Zunächst einmal läuft es zumindest darauf hinaus. Die neue Kernkapitalquote von ING von acht Prozent hat die Investoren aufatmen lassen. Sie haben die Aktien um 22 Prozent nach oben gejubelt.

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