Bankenrettung: Großbritannien riskiert Inflationswelle

Bankenrettung
Großbritannien riskiert Inflationswelle

Großbritannien schlägt einen riskanten Weg ein. Die Bank of England kauft Vermögenswerte der Banken, wobei sie die erforderlichen Mittel mit Hilfe von neuen Schatzpapieren einsammelt. Der nächste Schritt führt direkt zur Notenpresse. Doch Vorsicht: Das könnte zu einer massiven Inflation führen.

Großbritannien bereitet sich auf eine quantitative Lockerung vor. Der jüngste Bankenrettungsplan umfasst ein 50 Mrd. Pfund schweres Programm, bei dem die Bank of England (BoE) direkt erstklassige Vermögenswerte kaufen kann. Der Plan, so hieß es, "liefert den Rahmen" für den nächsten Schritt: die quantitative Lockerung. Hierbei handelt es sich um eine Art der unkonventionellen Geldmengensteuerung, bei der die Versorgung der Kreditinstitute mit Liquidität durch direkte mengenmäßige Zuteilungen erfolgt, grundsätzlich dadurch, dass die Notenbank den Geldhäusern Wertpapiere abkauft.

Die Entwicklung, die sich durch die am Montag vorgestellte Rettungsaktion abzeichnet, ist noch keine quantitative Lockerung in ihrer Reinform. Denn die Notenbank wird nicht einfach Geld schöpfen, um die fraglichen Vermögenswerte zu erwerben. Vielmehr werden die Mittel geschaffen, indem das britische Finanzministerium neue Schuldtitel verkauft - ein Prozess, der gemeinhin als Sterilisierung bezeichnet wird. Für die Wirtschaft dürften die Auswirkungen in etwa so ausfallen, als ob sich die Zentralbank ihres letzten Mittels bedient: Geld aus dem Nichts zu zaubern, indem sie die Notenpresse anwirft.

Die Vorgehensweise, auf die man sich geeinigt hat, stellt sich wie folgt dar: Die Banken verkaufen Kredite und andere Vermögenswerte an die Zentralbank. Die BoE reicht das Geld vom Treasury, das neue Schuldtitel verkauft hat, weitgehend an dieselben Banken weiter, die die Vermögenswerte verkaufen. In der Praxis tauschen die Banken damit Vermögenswerte, die eine Kapitalstütze brauchen, gegen Staatstitel, die dieser nicht bedürfen. Damit erhalten die Banken mehr Geld für die Kreditvergabe.

In den USA wurde das Feigenblatt der Sterilisierung bereits gelüftet. Die US-Notenbank Federal Reserve hat mit der reinen Geldschöpfung schon begonnen, um angeschlagenen Banken Vermögenswerte abzukaufen. Das britische Finanzministerium und die BoE machen sich augenscheinlich bereit, nach dem amerikanischen Vorbild zu verfahren.

Das wird nicht nötig sein, bevor sich nicht der Leitzins, der derzeit bei zwei Prozent liegt, viel stärker der Null annähert. Aber da das Finanzsystem immer noch schwere Schlagseite hat und die Mittelaufnahme der Regierung ungezügelt voranschreitet, besteht eindeutig die Möglichkeit, sich eine gehörige Portion an der Geldpresse abzuholen.

Damit könnte genug Geld in die Taschen der Verbraucher gelangen, um eine Inflationswelle auszulösen. Die meisten Volkswirte machen sich keine Sorgen. Die Lockerung könne schnell wieder umgekehrt werden - die Zentralbank brauche nur Vermögenswerte zu verkaufen und das Geld, das sie dadurch einnimmt, einzuziehen. Aber die Volkswirte haben anscheinend nicht ganz verstanden, wie das Zusammenspiel zwischen Geld und Krediten funktioniert. Wenn sie es verstanden hätten, wäre die Kreditblase nicht so groß und die derzeitige Anspannung im Finanzsektor nicht so intensiv geworden.

Die quantitative Lockerung wird vielleicht schon bald zum Mittel der Wahl in Großbritannien. Aber die zuständigen Behörden sollten vorsichtig sein, was das Anhäufen umfassender Defizite und das Drucken von enormen Mengen an Banknoten angeht. Der Ausverkauf des Pfund Sterling am Montag war ein Zeichen dafür, dass sich die Investoren genau deswegen Sorgen machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%