Bankenrettungen
Unschätzbare Kosten, unschätzbarer Wert

Was kostet es eigentlich, all die Banken zu retten? In Großbritannien reichen die offiziellen Schätzungen von acht Mrd. bis 846 Mrd. Pfund Sterling. Es hängt ganz davon ab, wie die staatliche Unterstützung bemessen wird. Es ist schwer, die Rettungsprogramme für den Finanzsektor, die die Steuerzahler gleichzeitig schützen, ihnen nützen und sie in Gefahr bringen, mit einer Zahl zu versehen. Sie sind sowohl kostspielig als auch von unschätzbarem Wert.
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Die Bankenrettungen könnten sich für die Steuerzahler als Schnäppchen erweisen. In seinem vorläufigen Haushaltsbericht schreibt das britische Schatzamt, die endgültige Rechnung könnte sich auf lediglich acht Mrd. Pfund Sterling und damit auf nur 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes belaufen. In den USA greifen die zuständigen Regierungsstellen ein wenig höher und veranschlagen die Kosten der Rettung des Finanzsektors auf ein Prozent des BIP.

Vielleicht waren die Auffangmaßnahmen aber auch teuer. Rechnet man die Zahlen zusammen, die der britische Rechnungshof bereitstellt, dann erreicht die Unterstützung von offizieller Seite für die Kreditinstitute insgesamt 846 Mrd. Pfund - und damit happige 60 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.

Beide Schätzungen sind irreführend. Die niedrige Prognose umfasst nur wahrscheinliche Verluste aus dem Kauf und Wiederverkauf von Wertpapieren und Vorzugsaktien der Banken und die erwarteten Nettoverluste aus der staatlichen Versicherung, dem Asset Protection Scheme. Sie berücksichtigt allerdings nicht die impliziten Kosten, die entstehen, wenn die Regierungsgelder im Bankensystem geparkt werden. Letztendlich müssen die Steuerzahler dafür aufkommen, wenn die mit der erstklassigen Bonitätseinstufung "AAA" versehene Bilanz des Staates dafür hergenommen wird, Institute zu unterstützen, die andernfalls insolvent wären.

Allerdings ist die höhere Zahl nun wiederum zu hoch. Sie schließt Notfallfinanzierungen seitens der Zentralbank und den Nennwert verschiedener Garantieprogramme mit ein. Diese Mittel wurden aber entweder relativ schnell zurückgezahlt oder niemals ausgegeben.

Der britische Rechnungshof bietet eine vernünftige Maßzahl an, die dazwischen liegt: einen Nettoaufwand über 117 Mrd. Pfund bis Ende 2009. Diese Zahl umfasst eigentlich 131 Mrd. Pfund für den Kauf von Bankaktien, plus Kredite und Betriebskapital für Banken in Staatsbesitz. Ein Teil dieser Mittel wird wieder hereingeholt werden, wenn die Aktien verkauft werden. Aber der Rechnungshof zählt nur den Cash, der bereits verfügbar ist - und das sind momentan 14 Mrd. Pfund an Gebühren und Kreditrückzahlungen.

Trotzdem gehen sämtliche Versuche, die Beträge zusammenzuzählen, an den Risiken und an vielen der erheblichsten Auswirkungen dieser Rettungsvorhaben vorbei.

Einige Kosten sind unstrittig und eindeutig. Bei Gebühren, die an Berater gezahlt werden, handelt es sich um einen einfachen Transfer von den Steuerzahlern an eine Hand voll Experten. Aber wenn Regierungen Banken über Wasser halten, ist der Transfer weniger klar definiert. Die Beihilfen der Steuerzahler stützen den Wert ihrer eigenen Einlagen. Faktisch bezahlen die Steuerzahler sich selbst.

Einige Messgrößen können tatsächlich in die Irre führen. Nehmen wir einmal an, der lockere geldpolitische Kurs führt zu einer hohen Inflation. Dies könnte es der Regierung gestatten, bei ihren Bankinvestitionen einen Gewinn zu verbuchen. Aber die Kosten der Teuerung, die den realen Vermögensstand der Steuerzahler aushöhlt, liegen bei weitem höher.

Die Rettungsaktionen in den USA und in Großbritannien haben außerdem die Risiken für die Finanz-, Fiskal- und monetären Systeme dieser Länder erhöht. Die Steuerzahler sind jetzt schlimmer dran, wobei allerdings keine Gewinn- und Verlustrechnung Aufschluss darüber geben kann, um wie viel schlimmer. Auf der anderen Seite sind diese Länder und ihre Banken immer noch im Geschäft - daher ist die Rettung von unschätzbarem Wert.

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