Bankensystem
Stresstests schmeicheln spanischen Banken

Die Bank of Spain hat ihre ökonometrischen Modelle befragt und festgestellt, dass die Banken des Landes so profitabel arbeiten, dass sie es verkraften können, 40 Prozent ihrer Kredite an Immobilienentwickler abzuschreiben. Allerdings schwankt der Anteil solch fragwürdiger Darlehen von Bank zu Bank erheblich.
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Der Zusammenbruch des Immobilienmarkts ist mit Sicherheit ein Problem für die Banken, aber ein wie großes? Die spanische Zentralbank wollte es genauer wissen. Sie gibt zu, dass ihr Test, die wahre Situation vereinfacht, geht aber dennoch davon aus, dass das Bankensystem voraussichtlich Gewinne erwirtschaftet, die ausreichen, um bis zu 40 Prozent der 324 Milliarden Euro, die als Kredite an Immobilienentwickler geflossen sind, abzuschreiben. Für das Finanzsystem als Ganzes mag das zutreffen, aber das Kreditengagement schwankt von Bank zu Bank erheblich.

Zumindest zwei Banken haben nach einer Grafik des jüngsten Finanzberichts der Bank of Spain rund 45 Prozent ihrer Kredite an Immobilienentwickler vergeben. Fünf weitere sind mit über 30 Prozent ihrer Ausleihungen in der Branche engagiert. Und der Anteil der notleidenden Kredite variiert innerhalb des Bankensystems zwischen 2 und 17 Prozent.

Die Analysen der Bank of Spain schließen BBVA und Banco Santander ein - die in unterschiedlichen Ligen spielen. Santanders Gewinne vor Risikovorsorge waren höher als die Gewinne aller spanischen Sparbanken zusammen, die insgesamt rund die Hälfte der lokalen Märkte kontrollieren. Wenn die Prognosen der Analysten über Santanders Gewinne vor Risikovorsorge über die nächsten drei Jahre zutreffen, dann könnte die Bank theoretisch die 15 Milliarden Euro, die sie an Immobilienentwickler ausgeliehen hat, gleich viermal abschreiben.

Den Sparbanken geht es da schlechter. Nach den Tests der Bank of Spain werden ihre Gewinne vor Risikovorsorge in den nächsten drei Jahren insgesamt 37 Milliarden Euro erreichen. Bei Santander ergeben die Analystenschätzungen 70 Milliarden. Die Sparbanken können damit höchstens 21 Prozent ihrer Kreditvergaben an Immobilienunternehmen abschreiben.

Aus allgemeinen Rückstellungen können die Sparkassen noch einmal rund 24 Milliarden Euro abrufen. Allerdings machen Immobilienkredite nur einen Teil der Probleme im Bankensystem aus, auch bei anderen Kreditarten steigt der Anteil der notleidenden Verträge. Hier kommt der noch unangetastete Hilfsfonds der Regierung ins Spiel, der noch einmal 99 Milliarden Euro vorhält. Bisher sieht es so aus, also ob die Banken nur in der äußersten Notlage darauf zurückgreifen wollen. Aber vor dem Hintergrund einer Arbeitslosenquote, die sich in Richtung 20 Prozent entwickelt und immer noch zunehmenden notleidenden Krediten, könnte das nur eine Frage der nächsten Monate sein.

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