Bankenumbau
Keine sichere Bank

Der Umbau in Holding-Gesellschaften ist keine sichere Bank für Goldman Sachs und Morgan Stanley. Sicher, die beiden Firmen können sich jetzt jederzeit am Diskontfenster der Fed anstellen. Und die Einlagen bieten einen billigen und vermutlich stabilen Weg der Finanzierung. Aber sie können nicht dazu eingesetzt werden, um Investmentbanken zu finanzieren. Die Unternehmen müssten hunderte Milliarden Dollar an Einlagen drauflegen, um überhaupt sinnvoll von ihnen profitieren zu können.

Der Umbau in Bankenholdinggesellschaften ist kein Allheilmittel für Goldman Sachs und Morgan Stanley. Kurzfristig mag die Verwandlung vielleicht eine Kernschmelze à la Lehman Brothers abgewendet haben - auch wenn die jeweils rund etwa zehn Mrd. Dollar an neuem, von der Regierung bereitgestelltem Kapital wahrscheinlich eine größere Wirkung hatten. Aber längerfristig dürften die Vorteile wesentlich geringer ausfallen, als einige Branchenbeobachter außerhalb der Firmen hoffen mögen.

Der Hauptanreiz liegt darin, dass beide Firmen, als Banken, jetzt ungehinderten Zugang zu sämtlichen Kreditfazilitäten der US-Notenbank haben. Dies bedeutet, dass sie in einer Krise vielleicht 85 Prozent ihrer Bilanzen mit den liquiden Mitteln der Zentralbank finanzieren könnten. Aber der andere oft vorgebrachte Vorteil - nämlich eine Einlagenbasis zu haben - könnte sich letztendlich als irrelevant erweisen.

Sicher, Einlagen bieten eine billigere Form der Finanzierung als Kredite - die durchschnittlichen Refinanzierungskosten bei Citigroup und JPMorgan liegen um bis zu zwei Prozentpunkte niedriger als die von Goldman und Morgan Stanley, berichtet Fox Pitt Kelton. Eine Einlagenfinanzierung ist zudem vermutlich auch stabiler - auch wenn ein kleiner Sturm auf die Bank sowohl bei Washington Mutual als auch bei Wachovia die Branchenaufsicht dazu veranlasst hatte, neue Eigentümer für die Institute zu finden.

Aber im Allgemeinen können Einlagen nicht herangezogen werden, um die Hauptgeschäfte der Wall Street zu finanzieren. Das gilt genau so für die Investment Banking-Abteilungen von Citigroup und JPMorgan, die auch auf die Kapitalmarktfinanzierung angewiesen sind. Bis jetzt haben Goldman Sachs und Morgan Stanley bei ihren Bilanzen über 900 Mrd. Dollar jeweils nur 150 Mrd. Dollar an Vermögenswerten, etwa Unternehmenskredite, entdeckt, die über Einlagen finanziert werden könnten.

Die Vorstellung - oder um es genauer zu sagen, die irrtümliche Annahme -, dass die Einlagen der großen Universalbanken einen wichtigen Puffer darstellen, könnte dazu beitragen, die Kosten der Mittelaufnahme für die Investmentbanken auf dem Interbankenmarkt zu reduzieren. Aber damit Goldman und Morgan Stanley in den Genuss ähnlicher Vorteile kommen können, müssten sie den Barmittelumfang bei den Giro- und Sparkonten, die sie anbieten, beträchtlich ausweiten. Morgan Stanley kann zum Beispiel lediglich mit 40 Mrd. Dollar aufwarten, Goldman mit gerade einmal der Hälfte.

Diesen Betrag so auszuweiten, dass er alle ihre Bankenvermögenswerte abdeckt, wäre praktisch. Aber das würde schon eine ganze Weile dauern, um bis zu diesem Betrag vorzustoßen - drei Jahre, wenn man den zehnprozentigen Zuwachs zugrunde legt, den Morgan Stanley in den vergangenen vier Wochen verbuchen konnte. Und es gibt, wenn überhaupt, nur wenige Banken, die sie - zumindest in den USA - kaufen könnten, die genug Einlagen vorweisen. Da die US-Regierung drei Jahre lang die Bankenkredite garantiert und jetzt vorerst auch für die kurzfristige Finanzierung sorgt, dürfte keiner der beiden Firmen das Bargeld ausgehen. Kleine Zuwächse bei den Einlagen sind zwar nützlich, aber sie werden nicht notwendigerweise die Probleme der beiden Wall Street-Unternehmen lösen. Deshalb hatten sie sich ja überhaupt erst so lange aus dem Einlagengeschäft herausgehalten.

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