Bankenverluste
Großputz in Phasen

Die UBS hatte angeblich im Oktober bei ihren Subprime-Verlusten reinen Tisch gemacht. Wie sich jetzt allerdings herausstellt, war das wohl nur die erste Phase des Großputzes. Das bedeutet, dass sich mit Sicherheit auch bei anderen Banken erneut schlechte Nachrichten zusammenbrauen, wenn sie sich jetzt auf realistische Weise zu ihren Verlusten bekennen. Es sind noch mindestens weitere 75 Mrd. Dollar offen.

Als UBS im Oktober einen Verlust im Zusammenhang mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität über 3,4 Mrd. Dollar angekündigt hatte, hatten die Investoren geglaubt, die Schweizer Bank hätte reinen Tisch gemacht. Wie sich jetzt allerdings herausstellt, war das wohl nur die erste Phase des Großputzes. Auch bei anderen Banken brauen sich mit Sicherheit wieder schlechte Nachrichten zusammen.

UBS hat noch einmal zehn Mrd. Dollar abgeschrieben. Damit belaufen sich die Abschreibungen im Zusammenhang mit Subprime-Darlehen der gesamten Branche jetzt auf rund 75 Mrd. Dollar. Es sind weitere 75 Mrd. bis 325 Mrd. Dollar offen, wenn sich die letzten Schätzungen über die gesamten, erwarteten Subprime-Verluste als zutreffend erweisen. Natürlich werden die Verluste nicht ganz auf die Banken zurückfallen, aber ihre Position im Zentrum des Finanzsystems macht die Kreditinstitute besonders anfällig.

Selbst jetzt hat UBS die Bewertung ihres Engagements nicht an den ABX-Indizes des Terminmarkts für Subprime-Hypotheken ausgerichtet, aber ihre revidierten Berechnungsmodelle kommen den Marktpreisen schon sehr viel näher. Es sieht so aus, als ob die Großbank die Hypotheken in ihrem Buch jetzt um 32 Prozent abgeschrieben hätte, verglichen mit zehn Prozent im Oktober. Dieser jüngste Schritt stellt UBS auf die gleiche Ebene wie Merril Lynch mit Abschreibungen um 27 Prozent und Morgan Stanley mit 35 Prozent, berichtet Dresdner Kleinwort, wobei die Vergleiche zugegebenermaßen schwierig zu ziehen sind.

Aber einige Banken scheinen immer noch nicht mit der vollen Wahrheit herausrücken zu wollen. Citigroup ist ein offensichtlicher Kandidat für weitere Verluste. Die Bank hat bereits eingeräumt, die Defizite könnten um bis zu elf Mrd. Dollar höher liegen als die 5,9 Mrd. Dollar, die sie bis jetzt offen gelegt hat. Allerdings wären auch damit erst geschätzte Abschreibungen um 22 Prozent erreicht. Wahrscheinlich geht es vielen anderen Banken da draußen ähnlich. Das zögerliche Tröpfeln der Verlustmeldungen wird noch mehrere Quartale lang anhalten.

Die Investoren dagegen klammern sich weiter an ihre Hoffnungen, genau wie am 1. Oktober, als UBS und Citigroup ihre Abschreibungen für das dritte Quartal veröffentlicht hatten. An diesem Tag waren die Aktien der Kredithäuser um drei bzw. zwei Prozent gestiegen. Tatsächlich hatte die Erleichterung darüber, dass die Verluste nicht noch höher waren, den Dow-Jones-Index auf ein Rekordhoch befördert.

Der Markt ist immer noch optimistisch. Im frühen Handel waren UBS am Montag um fast drei Prozent gefallen, konnten sich aber bis um die Mittagszeit auf ein Plus von fast drei Prozent erholen. Für UBS besteht tatsächlich Grund zur Freude. Die Bank konnte neue Investoren an Land ziehen, die ihre Kapitalbasis stützen, und sie scheint sich sogar noch stärker ihrer wieder auflebenden konservativen Strategie verschrieben zu haben. Die Investoren im Bankensektor sollten sich allerdings schon einmal darauf einstellen, dass einige sehr kostspielige Aufräumaktionen auf sie zukommen, bevor die Krise ausgestanden ist.

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