Bankenzins
Falsche Gewinne

Der Rückgang des Libor könnte die Banken in eine Falle führen. Die sich aufblähenden Zinsspannen unterstützen die Banken dabei, sich einen Ausweg aus ihren Schwierigkeiten zu bahnen. Das Problem dabei ist, dass die Interbankensätze größtenteils nur deshalb so niedrig sind, weil die Regierungen ihre schützende Hand darüber halten. Wenn sie auf das Marktniveau ansteigen, könnte dies die Ergebnisse beeinträchtigen.
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Gewöhnlich ist es eine feine Sache, wenn Geld umsonst zu haben ist. Dreimonatige unbesicherte Kredite, die mit einem Zins von weniger als einem Prozent versehen sind, müssten daher eigentlich als Segen für die Banken angesehen werden. Dies gestattet es US-Banken, billig Mittel aufzunehmen und sie um einige Prozentpunkte höher wieder zu vergeben. Damit könnten sie sich sozusagen einen Ausweg aus ihren derzeitigen Schwierigkeiten verdienen. Das Problem dabei ist, dass die Interbankensätze zum großen Teil so niedrig sind, weil die Regierung die Branche stützt. Wenn die Sätze auf ein Marktniveau steigen, das die eigentliche Verfassung der Banken widerspiegelt, dann könnten sie die Ergebnisse der Institute beeinträchtigen.

Der dreimonatige Libor – also der Satz , zu dem sich international operierende Banken am Finanzplatz London Gelder bei anderen Banken beschaffen – ist in Dollar berechnet am 21. Mai auf ein schon seit mehreren Jahren nicht mehr verzeichnetes Tief von 66 Basispunkten gefallen. Das ist positiv für die Inhaber von Schuldtiteln über 360 Bill. Dollar, die an diesen Satz gebunden sind. Und die Entwicklung ist auch gut für die Institute, die Mittel auf dem Interbankenmarkt aufnehmen, um ihre Kredite an die Kunden zu finanzieren. Sie sollten eigentlich kräftig absahnen.

Doch der eigentliche Grund für den Ohnmachtsanfall des Libor – abgesehen von der sinkenden Risikoscheu unter den Banken – sind die vielen Notfall-Fazilitäten der US-Notenbank Federal Reserve. Sie haben die Gefahr, dass irgendeine Bank ernsthaft in Schwierigkeiten gerät, reduziert. Wenn die Fed diese Initiativen wieder abschafft, werden sich die Finanzierungskosten für Bankenkredite erhöhen – besonders da sich die Banken immer noch an ihren Problemen abarbeiten. Wenn die Banken bei der Preisfestsetzung der von ihnen vergebenen Kredite zu aggressiv vorgegangen sind, könnten die steigenden Kosten für deren Finanzierung die Kredite unwirtschaftlich machen.

Genau dies war während der Savings & Loan-Krise in den USA in den späten achtziger Jahren passiert. Falls sich diese Entwicklung wiederholt, könnte das amerikanische Bankensystem beträchtlichen Problemen gegenüberstehen – und zwar genau zu einem Zeitpunkt, zu dem sich langsam eine Erholung abzeichnet. Sicherlich ist es schwer, die Preisfestsetzung für einen Kredit zu üppig zu gestalten, wenn die Geldbeschaffungskosten niedrig sind, nicht zuletzt, weil die Konkurrenz alles daran setzen wird, die Konditionen zu unterbieten. Aber nur jene Banken, die ausreichend große Spannen eingebaut haben, werden immer noch über rentable Kreditbücher verfügen, wenn die Zinssätze wieder einmal zu steigen beginnen.

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