Banker-Boni
Spenden nach Art der Patrizier

Einige Kritiker umfangreicher Bankenboni schlagen vor, die Empfänger der Prämien nachsichtiger zu behandeln, wenn sie einen Teil davon für wohltätige Zwecke spenden. Das lenkt vom Kern der Sache ab. Sicher sollte karitatives Verhalten unterstützt werden. Aber in der Bonus-Debatte hat dies nichts zu suchen.
  • 0

Einige Kritiker umfangreicher Bonuszahlungen für Investmentbanker schlagen vor, die Empfänger der Prämien nachsichtiger zu behandeln, wenn sie einen Teil davon für wohltätige Zwecke spenden. Das lenkt vom Kern der Sache ab. Sicher sollte karitatives Verhalten unterstützt werden. Aber in der Bonus-Debatte hat dies nichts zu suchen.

Die Boni an sich werden durch Freigiebigkeit nicht kleiner. Einige Kritiker der hohen Prämienzahlungen der Banken würden offenbar nachsichtiger mit den Empfängern umgehen, wenn sie einen Teil ihrer Leistungszulage für wohltätige Zwecke spenden würden. Doch das lenkt vom Kern der Sache ab. Karitatives Verhalten sollte unterstützt werden. Aber in der Bonus-Debatte hat dies nichts zu suchen.

Als etwa die von der US-Regierung mehrfach gerettete American International Group wegen Bonuszahlungen in der Öffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatte, forderten einige, dass die Empfänger der Leistungsprämien sie an gemeinnützige Organisationen weiterreichen sollten. Doch genau so wie Goldman Sachs Kapital aus ihren eigenen Unternehmensspenden schlägt, während die Firma gleichzeitig gigantische Boni anhäuft, die zum Jahresende ausgezahlt werden sollen, werden hier zwei getrennte Themenbereiche vermischt.

Diejenigen, die reich werden, sollten sich moralisch verpflichtet fühlen, in nobler Absicht für die Bedürftigen und für die weniger vom Schicksal Begünstigten, als sie selbst es sind, zu spenden. Und viele Banker, Hedge Fonds-Manager, Technologie-Milliardäre und andere tun genau das. Um die Spendenfreudigkeit anzuregen, dient ein moderates Maß an steuerlicher Absetzbarkeit der milden Gaben zugleich dem öffentlichen Wohl.

Doch weiter sollte die Argumentation auch nicht gehen. Befürworter einer Art Zusatzsteuer auf Boni, zum Beispiel, sollten nicht beabsichtigen, die Abgabe zu verringern, wenn Geld gespendet wird. Die Steuerbehörden sollten das Geld trotzdem einsammeln und die Regierungen sollten darüber entscheiden - wie unvollkommen auch immer -, wie es ausgegeben werden soll.

Denn große Spenden für wohltätige Zwecke bringen den Gebenden Einfluss und Status ein. Sie können in Lieblingsprojekte fließen, in Wohlfahrtsorganisationen, bei denen Familienmitglieder angestellt sind und so weiter. Während einige Menschen im Stillen geben, gehen die anderen mit ihrer Großzügigkeit hausieren - und einige erwarten für sich und ihre Familien eine Sonderbehandlung von den Krankenhäusern, Universitäten und von anderen Nutznießern ihrer Freigiebigkeit.

Darüber hinaus würden es die meisten Bankaktionäre vermutlich vorziehen, Dividenden und Gewinne zu erhalten und selbst entscheiden zu können, an wen sie spenden wollen, anstatt zusehen zu müssen, wie die Banker immer größere Boni einstecken - selbst wenn sie sie verschenken. Und auch dem Problem der Ungleichheit kommt man sicher besser bei, indem man den weniger Begüterten und den Habenichtsen mehr zahlt, als nach Art der Patrizier anzunehmen, dass sich die Reichen der Armen annehmen.

Selbst allgemein wirtschaftlich gesehen: Wenn es gut ist, dass ein Begüterter großzügig an eine vielleicht ineffizient arbeitende Wohltätigkeitsorganisation spendet, dann ist es vermutlich auch gut, wenn er stattdessen direkt vor Ort ein halbes Dutzend Mitarbeiter einstellt und sie einigermaßen vernünftig bezahlt. Was die Empfänger von Boni mit ihrem Geld anstellen, sollte ihnen überlassen werden. Sie sollten nur nicht mehr davon bekommen, nur weil sie planen, es zu spenden.

Kommentare zu " Banker-Boni: Spenden nach Art der Patrizier"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%