Banker-Prognosen
Das Ende der Finanzkrise ist nahe – oder?

Führende Bankiers sind bei der Bewertung der Finanzkrise uneins. Brady Dougan, der Chef von Credit Suisse, meint, die Märkte seien zu optimistisch. Diese Äußerung steht im Gegensatz zu rosigeren Einschätzungen seiner Konkurrenten, etwa des Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Frühere Bankenkrisen lassen eher auf eine langsame Erholung schließen und Dougan weiß, wie schmerzhaft böse Überraschungen sein können. Vielleicht sollte man seinem vorsichtigen Grundton Beachtung schenken.
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Bankiers, die zwar auf ein und dieselbe Krise starren, schätzen sie dennoch recht unterschiedlich ein. Brady Dougan, der Chef von Credit Suisse, meint, die Märkte seien übertrieben optimistisch. Dagegen sagt der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, seiner Meinung nach "kommen wir dem Ende der Finanzkrise näher".

Ackermanns maßvoller Optimismus fügt sich eher in den Tenor der Kommentare seiner Konkurrenten ein. Was die Bilanzen angeht, könnten sie Recht haben. Es sieht so aus, als ob mehr als die Hälfte der Abschreibungen auf Subprime- und Alt-A-Kredite und Übernahmefinanzierungen geleistet und die Mehrzahl der notwendigen Kapitalerhöhungen bereits angekündigt oder abgeschlossen sei.

Allerdings liegt ein großer Schritt dazwischen, das Ende der Finanzkrise auszurufen und eine Erholung des Bankensektors zu prognostizieren. Die kollektiven Erinnerungen von Ackermann & Co. reichen vielleicht nur bis zu der Krise im Jahr 2001 zurück. Damals hatte es nur ein Jahr gedauert, bis sich die Lage bei der Kreditvergabe wieder verbesserte. Aber die Probleme lagen damals bei den Ausleihungen der Unternehmen, die ein Viertel aller Kredite ausmachten. Dieses Mal stehen Immobilien- und Verbraucherkredite im Zentrum der unheilvollen Entwicklung - und die belaufen sich auf drei Viertel der Gesamtkredite.

Die Realwirtschaft wird die Banken wohl auch längerfristig treffen, auch wenn viele ihre Bilanzen stabilisiert haben. Die Geschichte legt nahe, dass nach Bankenkrisen eine anhaltende Kreditschwäche der Darlehensnehmer und ein Mangel an Sicherheiten die Banken dazu veranlassen, über mehrere Jahre hinweg ihre liquiden Mittel zu horten.

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