Bankinter
Crédit Agricole in Spendierlaune

Mit einem Ergebnisrückgang um 17 Prozent im vergangenen Quartal und stärkeren Kursrückschlägen an der Börse als andere Banken, könnte man meinen, Crédit Agricole wird nun etwas vorsichtiger mit dem Geld ihrer Anteilseigner umgehen. Aber die französische Genossenschaftsbank scheint fest entschlossen, ihren einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, ohne sich groß um die Kosten zu kümmern.

Mit einem Ergebnisrückgang um 17 Prozent im vergangenen Quartal und stärkeren Kursrückschlägen an der Börse als andere Banken, könnte man meinen, Crédit Agricole wird nun etwas vorsichtiger mit dem Geld ihrer Anteilseigner umgehen. Aber die französische Genossenschaftsbank scheint fest entschlossen, ihren einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, ohne sich groß um die Kosten zu kümmern.

Der jüngste Beleg – der Einkauf eines 15-Prozent-Anteils an der spanischen Bankinter für 800 Mio. Euro. Der Preis, den Agricole dafür bezahlt hat, den Anteil an der fünftgrößten spanischen Bank auf knapp 20 Prozent auszuweiten, ist üppig – das 17,5-fache des für 2008 erwarteten Ergebnisses. Berücksichtigt man den vierprozentigen Kursrutsch nach Bekanntgabe der Neuigkeiten, zahlen Anleger für Crédit Agricole mit einem dürftigen Ergebnismultiplikator von sieben nicht einmal die Hälfte.

Der Einkaufspreis für die neuen Aktien liegt in der Nähe von Bankinters Allzeithoch im vergangenen April. Das entspricht einer Prämie von 35 Prozent auf den jüngsten unbeeinflussten Kurs oder einem Kurs-zu-Buchwert-Verhältnis, das 50 Prozent über dem von Santander liegt. Auch wenn Bankinter vielleicht weniger als vergleichbare Banken von den wachsenden Turbulenzen am spanischen Immobilienmarkt betroffen ist, scheint der Preis noch hoch – vor allem, da Agricole kaum Möglichkeiten hat, Synergien aus dem Kauf zu ziehen. Die Bank hat, um es ganz profan auszudrücken, lediglich ihren Minderheitsanteil an einer zweitrangigen spanischen Bank erhöht.

Allerdings passt der Kauf zu Agricoles Strategie, das Privatkundengeschäft in Europa auszudehnen. Im Laufe der Zeit könnte die Bank auch zum Mehrheitseigner bei Bankinter avancieren, vorausgesetzt die anderen Mehrheitsaktionäre wollen verkaufen. Aber in der Zwischenzeit haben Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Spekulationen Bankinters Aktien erst einmal drei Prozent gekostet – und Agricole Buchverluste in Höhe von 100 Mio. Euro auf die Investion beschert.

Crédit Agricoles dezentraler Ansatz könnte dazu beitragen, spanische Befindlichkeiten zu beschwichtigen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, Bankinter ganz zu übernehmen. Allerdings hilft der Kaufen-um-jeden-Preis-Ansatz wenig, die Unruhe unter den eigenen Aktionären zu dämpfen.

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