Bankrott droht
GM und die Probleme mit der Staatshilfe

Der Geld verbrennende Autohersteller GM will staatliche Hilfe im Umfang von bis zu zwölf Milliarden US-Dollar, um eine Fusion mit Chrysler zu finanzieren. Doch anders als bei den Banken sind die Probleme bei GM chronisch. Wenn der Gesetzgeber schon Geld locker machen muss, dann sollte dies nicht geschehen, um einen Bankrott abzuwenden.

Die US-Regierung sollte vorsichtig sein, wenn sie Steuergelder in Detroit einsetzt. Die Sorgen bei General Motors sind so groß geworden, dass GM-Chef Rick Wagoner neuerdings persönlich dafür wirbt, den Autohersteller fast wie eine Bank zu behandeln und ihm bis zu zwölf Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen, um die umstrittene Fusion mit dem ebenfalls strauchelnden Konkurrenten Chrysler finanzieren zu helfen. Würde man seiner Bitte nachkommen, riskiert man dabei, gutes Geld dem schlechten hinterherzuwerfen.

General Motors, dessen erhoffter Partner Chrysler und Ford leiden alle unter langfristigen, chronischen Problemen. GM ist von den Kapitalmärkten ausgeschlossen, und wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, hat das Unternehmen sein Geld bis Mitte 2009 verbrannt. Aber es kommt noch schlimmer: JPMorgan zufolge könnten die Marktturbulenzen dem GM-Pensionsplan in diesem Jahr ein Defizit von 18 Milliarden US-Dollar bescheren. Alleine dieses Loch zu stopfen, würde für das Unternehmen den Sturz in den Abgrund bedeuten.

Außerdem sind die Vorteile einer Fusion mit Chrysler nicht klar. Sicherlich könnten beide Firmen zehn Milliarden US-Dollar an Kosten einsparen, was für Aktionäre einen Kapitalwert von vielleicht 60 Milliarden US-Dollar mit sich brächte. Dies ist fast der 20fache aktuelle Börsenwert von GM. Und Chrysler hat rund neun Milliarden US-Dollar Barmittel zu Verfügung. Doch die Fusionskosten würden mehr als das verschlingen, weswegen beide so verzweifelt nach Staatshilfe suchen. GM hat zudem seine eigene aufgeblähte Kostenbasis noch nicht genug gekürzt. Diese umfasst die vielen Marken und Modelle, von denen einige miteinander konkurrieren, und das Händlernetz.

Das Dumme ist auch, dass Wagoner kaum erkennen lässt, ausreichend aggressive Maßnahmen durchführen zu wollen, selbst wenn er das Geld hätte. Sogar mit zusätzlichem Geld könnten GM und seine Rivalen also vielleicht nicht überleben. Wenn die Regierung an ihrem Kurs festhält, nur lebensfähige Unternehmen zu unterstützen, dann müsste sie die Autohersteller untergehen lassen, so wie Lehman Brothers und Washington Mutual.

Das bedeutet aber nicht, dass keine Stützung bevorsteht. Staatliche Hilfe könnte eine entscheidende Finanzierungsquelle sein, wenn die Hersteller aus Detroit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechtes beantragt haben und ihre Insolvenzmasse selbst verwalten dürfen. Dann hätte die Regierung auch genügend Druckmittel, um auf umfassende Veränderungen hinzuwirken. So wie sie für die Bankschulden garantiert, könnte die Regierung auch versprechen, Gewährleistungspflichten der Autohersteller nachzukommen. Damit würden Befürchtungen zerstreut, dass nur wenige die Fahrzeuge eines bankrotten Herstellers kaufen würden. Ein Bankrott wäre nicht schön. Zumindest in der Autobranche wäre er aber die beste Option, um das Geld des Staates sinnvoll auszugeben.

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