Barclays
Botschaft aus dem Off

Die Aktien von Barclays haben an zwei Tagen fast zwölf Prozent verloren. Die Investoren befürchten, dass Barcap, der Bereich für das Investment Banking der britischen Bank, auf großen, nicht offen gelegten Kreditverlusten sitzt. Bis jetzt hat Barclays noch nicht überzeugend reagiert. Das Institut muss reinen Tisch machen. Und es sollte schon Chef John Varley persönlich sein, der das Reden übernimmt.

Barclays muss dringend die Nerven der Investoren beruhigen. Der gesamte Bankensektor ist unter Druck geraten, nachdem an den Märkten die Befürchtungen über die Kreditkrise wieder aufgeflammt sind.

Aber Barclays hat ganz besonders gelitten. Die Aktien der britischen Bank sind um elf Prozent gefallen; das ist mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Abschläge, die ihre europäischen Branchenkollegen hinnehmen mussten. Die Anleger befürchten, dass Barcap, der Investment Banking-Bereich von Barclays, möglicherweise auf großen Verlusten sitzt. So wie es aussieht, scheint es für diese Ängste gute Gründe zu geben.

Barcap passt in das Phantombild eines möglichen Opfers der Marktstürme. Es ist stark im Kreditgeschäft, dem Auge des Sturms, engagiert. Im Besonderen gehört Barclays bei Derivaten zu den Pionieren und die Bank ist bei kreditfinanzierten Fusionen und Übernahmen ganz vorne mit dabei. Das sind genau die Bereiche, die bei einigen anderen Investmentbanken zu Unruheherden geworden sind. Nach den jüngsten, umfangreicher als erwartet ausgefallenen Abschreibungen bei Merrill Lynch und Citigroup, sind die Barclays-Aktionäre gut beraten, wenn sie misstrauisch sind.

Bis jetzt hat Barclays noch nicht angemessen reagiert. Die Bank hat ihre Aktienrückkäufe weitergeführt und auf vorhergegangene, nichts sagende Verlautbarungen verwiesen, denen zufolge Barcap profitabel wirtschafte. Aber das reicht nicht. Es gibt zwei Dinge, die die Bank tun kann, um den Markt zu beruhigen.

Zunächst einmal muss das Kreditinstitut darüber aufklären, wie stark Barcap dem blockierten Markt für kreditfinanzierte Darlehen ausgesetzt ist. Wenn Barcap wirklich nur Kredite über 1,6 Mrd. Pfund Sterling in ihren Büchern hat, wie es Barcap-Chef Bob Diamond im August angedeutet hat, dann sollte die Gruppe das auch sagen. Wenn man die Einbußen der anderen Investmentbanken als Richtschnur nimmt, dann würde das eine moderate Abschreibung von rund 50 Mill. Pfund nach Abzug der Gebühren implizieren.

Aber ohne eine offizielle Bestätigung der Bank könnten es die Anleger vorziehen, eher den Schätzungen von Citicorp Glauben zu schenken, dass Barcap nämlich auf blockierten Krediten von bis zu zehn Mrd. Pfund sitzt. Bewertet nach derzeitigen Marktkursen und nach Abzug der Gebühren, deutet das auf eine Abschreibung über vielleicht 300 Mill. Pfund hin. Das entspräche in etwa der Größenordnung der Verluste von Credit Suisse und der Deutschen Bank.

Zum zweiten sollte John Varley, der Chief Executive der Gruppe, die Botschaft über den erfreulichen Gesundheitszustand von Barcap übermitteln, anstatt Diamond reden zu lassen. So wie es aussieht, vermittelt Varley den Eindruck, als verstünde er nicht, was bei Barcap vor sich geht – oder wenn doch, als betrachte er das Investment Banking als potenzielles Problem, das man am besten auf Distanz hält. Wenn er sich stärker zu Barcap bekennen würde, wären die Investoren vielleicht eher bereit, es ihm gleich zu tun.

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