Barclays
Lockere Zügel

Barclays hat bis zum März Zeit, seinen Mischmasch an Rekapitalisierungsmaßnahmen über zehn Mrd. Pfund abzuschließen. Damit würde das Geld der Steuerzahler verschont. Barclays hat sogar weitere Abschreibungen vermieden. Der Plan könnte funktionieren. Wenn nicht, wird Barclays mit dem Hut in der Hand zurückkommen, und die Aktionäre werden wieder in der Luft hängen.

Barclays wird an einem sehr lockeren Zügel geführt. Die britische Bank erhält die Chance, einen Rekapitalisierungsplan über zehn Mrd. Pfund Sterling zu erstellen, ohne dabei das Geld der Steuerzahler zu beanspruchen, während drei ihrer größten Konkurrentinnen eng mit der britischen Regierung verflochten werden.

Das Vorhaben von Barclays, mit dem die Kernkapitalquote auf Pro-Forma-Basis auf elf Prozent klettern soll, stellt sich als ein Mischmasch an Initiativen dar, wobei viele Einzelheiten fehlen. Das Institut will bis zum Jahresende Vorzugsaktien über drei Mrd. Pfund emittieren. Weitere 600 Mill. Pfund wurden durch eine bereits angekündigte Emission von Stammaktien, um die US-Teilbereiche von Lehman Brothers zu kaufen, bereitgestellt. Nicht näher definierte positive Effekte aus dem Bilanzmanagement und dem operativen Geschäft sollen weitere 1,5 Mrd. Pfund beisteuern - bis wann dies geschehen soll, hat Barclays noch nicht mitgeteilt.

Überraschenderweise geben die Aufsichtsbehörden der Bank bis zum nächsten Jahr Zeit, sich zusätzliche fünf Mrd. Pfund zu sichern - über eine geplante Bezugsrechtsemission über drei Mrd. Pfund bis März und eine Dividendenkürzung über zwei Mrd. Pfund bis April.

Barclays ist vielleicht in der Lage, dies alles durchzuziehen, besonders wenn die Märkte sich stabilisieren. Die Tatsache, dass ihre Geschäfte gut laufen, sollte die Bank unterstützen. Im September habe der Gewinn vor Steuer extrapoliert den bisher in diesem Jahr erzielten Messwert "sehr beträchtlich" überschritten. Wenn dem so ist, dann wird ihr Board rehabilitiert werden. Tatsächlich legten die Aktien von Barclays bis zum Montagmittag um sechs Prozent zu, nachdem die Sorgen der vergangenen Woche über eine unmittelbar bevorstehende Verwässerung abgeschwächt worden waren.

Aber wenn sich die Krise fortsetzt, wird Barclays schon bald wieder in den Seilen hängen. Die Londoner City hat immer noch Bedenken, ob das Institut bei seinem Kreditportfolio einen ausreichend konservativen Ansatz gewählt hat. Darüber hinaus hat die Bank bisher erst eine Zusage über lediglich eine Mrd. Pfund an neuem Kapital erhalten, von einem nicht namentlich genannten, bereits bestehenden Aktionär - und selbst dieses Versprechen gilt nur im Prinzip.

Die nur kurze Zeit währende Verzögerung bei Morgan Stanley, Kapital von Mitsubishi UFG festzunageln, hat die ehemalige Investmentbank mehr als 60 Prozent ihres Marktwerts gekostet. Jede noch so kleine Hürde im Fall von Barclays könnte ebenso kostspielig werden. Sie könnte dann immer noch bei der Regierung betteln gehen. Aber nachdem die Bank die helfende Hand einmal zurückgestoßen hat, könnten die Aktionäre bei einer eventuell nachfolgenden Staatsrettung buchstäblich vom Tisch gefegt werden.

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