Barclays
Vermeidungsstrategien

Die britische Barclays Bank versucht alles, um staatliche Hilfen zu umgehen. Die Methoden, das Kapital auf andere Weise zu erhöhen, reichen von Steuertricks bis hin zum Verkauf ihres Bereichs iShares.
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Die Steuertricks von Barclays könnten erklären, warum sich die britische Bank so vehement gegen eine Verstaatlichung jedweder Form stemmt. Die entschlossene Vorgehensweise des Kreditinstituts, den Kunden bei der Steuervermeidung unter die Arme zu greifen, die am Wochenende von einem Informanten ans Licht gebracht wurde, würde sich wohl kaum mit dem Umstand vertragen, dass die Regierung an Barclays beteiligt ist. Kein Wunder, dass die Bank bisher alles nur Erdenkliche versucht hat, ihr Kapital auf andere Weise zu erhöhen, auch wenn dies kostspielig ist. Der mögliche Verkauf von iShares, einem schnell wachsenden Bereich für das Management von börsennotierten Fonds, an dem Barclays normalerweise sicher festhalten würde, ist nur der letzte einer ganzen Reihe diesbezüglicher Strategien.

Barclays steht kaum allein auf weiter Flur, wenn es darum geht, die Zahlung von Steuern für sich selbst und ihre Kunden zu umgehen. Aber die britische Bank hat sich bei diesem vollkommen legalen Geschäft als besonders geschickt erwiesen. Ein anonymer Tippgeber, der Einzelheiten zu den Steuertricks von Barclays an ein der Opposition angehörendes Parlamentsmitglied weitergegeben hat, behauptet, das Institut habe auf diese Weise Gewinne von bis zu einer Mrd. Pfund Sterling im Jahr eingestrichen. Selbst wenn dies eine Übertreibung ist, und Barclays der "Sunday Times" mitgeteilt hat, hierbei handele es sich um "unfundierte Vermutungen", so ist und bleibt die Steuerabwehr doch ein wichtiger Geschäftszweig.

Wenn der Staat einen Anteil an Barclays halten würde, dann könnte es zu erheblichen Einschränkungen auf diesem Feld kommen. Und selbst wenn die Minister dieses Geschäft wohlwollend abnicken würden, würden sie sich schwierigen Fragen seitens der Abgeordneten ausgesetzt sehen, wie logisch es denn sei, einer Bank dabei zu helfen, um die eigenen Steuergesetze der Regierung herumzutänzeln.

Doch das lukrative Geschäft der Steuervermeidung ist nicht der einzige Grund, warum Barclays so ängstlich darauf bedacht ist, den Staat außen vor zu lassen. Die Bank fürchtet, die Regierung könnte sich auch noch auf andere Weise in alle möglichen Geschäfte einmischen. Daher kommt es der Bank äußerst ungelegen, dass dieses Fleckchen ausgerechnet jetzt ausgeleuchtet wird, während sie noch darüber nachdenkt, ob sie sich an dem "Programm zum Schutz von Vermögenswerten" der Regierung beteiligen soll. Die Vorzüge einer Teilnahme liegen auf der Hand: Barclays könnte ein Portfolio ihrer Kredite gegen die Möglichkeit katastrophaler Wertverluste versichern. Das Problem ist, wie für die Versicherung gezahlt werden soll.

Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking Group, die beiden Banken, die dem Regierungsprogramm bereits beigetreten sind, haben für ihre Versicherungspolicen gezahlt, indem sie Aktien für die Regierung emittiert haben. Das will Barclays vermeiden. Der Verkauf des Bereichs iShares, der angeblich drei Mrd. bis fünf Mrd. Pfund wert ist, könnte ein Weg sein, um entweder für die Versicherungspolice zu zahlen oder um einfach das Kapital der Bank zu erhöhen, ohne auf das Regierungsprogramm zurückzugreifen. Auf jeden Fall scheint die Bank entschlossen zu sein, genau so viel Einfallsreichtum auf die Vermeidung einer Staatsbeteiligung an den Tag zu legen wie sie ihn bisher auf die Steuervermeidung angewendet hat.

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