Barclays vs. RBS
Pyrrhussieg für die RBS

Die Royal Bank of Scotland und ihre Konsortialpartner stehen vor einem neuen Rekord für die weltweit größte Bankenakquisition: der Übernahme der niederländischen ABN Amro für 70 Milliarden Dollar. Allerdings könnte der Sieg schmerzhafter sein als die Niederlage der unterlegenen Barclays Bank.

Mancher Sieg ist schlimmer als die Niederlage. Das könnte auch für die Royal Bank of Scotland gelten. Die britische Bank und ihre Konsortialpartner - der belgisch-niederländische Finanzdienstleister Fortis und die spanische Bank Santander - stehen unmittelbar vor einem neuen Rekord für die weltweit größte Bankenakquisition: der Übernahme der holländischen ABN Amro für 70 Milliarden Dollar. Allerdings könnte der Sieg schmerzhafter sein als die Niederlage für die unterlegene Barclays Bank.

RBS zahlt einen zu hohen Preis. Mit dem, nach JP Morgan, 25-fachen der diesjährigen Gewinne zahlt die Bank ein heftiges Vielfaches. Mehr noch, ihr größtes Stück vom ABN-Kuchen - die Investmentbank - hat viel an Attraktivität verloren, seit die Zeiten schwieriger geworden sind, selbst wenn sie einen hohen Anteil im Brot-und-Butter-Geschäft im internationalen Zahlungsverkehr verdient.

Der Vorstandsvorsitzende von RBS, Fred Goodwin, wird sich anstrengen müssen. Investoren wetten nicht auf seinen Sieg in dieser Schlacht. Seit dem Übernahmeangebot sind die Aktien von RBS um 20 Prozent gefallen, mehr als doppelt so stark wie die Aktien der vergleichbaren europäischen Wettbewerber. Hätte die Bank mit der Vergleichsgruppe Schritt gehalten, wäre sie heute 7,6 Milliarden britische Pfund (10,9 Milliarden Euro) mehr wert.

Im Gegensatz dazu wird Barclays ihre Niederlage relativ schmerzlos verwinden können. Normalerweise wird den Unterlegenen aus solch hochkarätigen Übernahmeschlachten ein Mangel an strategischem Geschick vorgeworfen. Eine Zeitlang sah es auch so aus, als ob Barclays Vorstandsvorsitzender John Varley sich bereits so weit aus dem Fenster gelehnt habe, dass er ohne ABN in der Tasche seinen Hut werde nehmen müssen. In dieser Hinsicht war die Kreditkrise wohl der rettende Faktor.

Sicher, die Krise verminderte den Wert der Aktien - wodurch der Wert des überwiegend in Aktien abgegebenen Gebots unterwandert wurde. Gleichzeitig aber entstand dadurch so etwas wie eine "Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei"-Karte für die anderenfalls wertzerstörende Akquisition. Und Varley kann seinen Ruf als umsichtiger Käufer bewahren.

Damit ist nicht gesagt, dass Varley die Nase hoch trägt. Barclays musste bereits zweimal bei der Bank of England anklopfen und um Über-Nacht-Kredite bitten. Darüber hinaus bot die Bank auch strukturierte Finanzprodukte mit deutlichem Kredithebel an, die zu platzen drohten. Es entstand der Eindruck, die Bankmanager ließen sich von ABN von ihrem Tagesgeschäft ablenken. Aber mit der Niederlage ist die Bank auch nicht zum Ladenhüter geworden. Die Aktien werden auf dem Niveau ihrer britischen Wettbewerber gehandelt, Investoren wetten offensichtlich nicht auf eine Übernahme.

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