Barclays
Zurück zur Normalität

Barclays kehrt wieder halbwegs zur Normalität zurück. Die britische Bank ist so zuversichtlich, dass sie ihre Strategie weiterverfolgen will, das europäische Privatkundengeschäft auszubauen. Unter anderem will das Institut 135 italienische Bankfilialen kaufen.
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Barclays steht in Gesprächen, 135 Zweigstellen der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) zu kaufen. Bei einer Übernahme könnte das italienische Kreditinstitut die Vorgaben erfüllen, die die Wettbewerbshüter dem Unternehmen nach der Akquisition der konkurrierenden Banca Antonveneta im Jahr 2007 auferlegt hatten.

Barclays hatte Ende 2008 italienische Hypothekendarlehen über 1,1 Mrd. Euro von der australischen Macquarie erworben. Und weiter im Westen Europas haben die Briten jüngst das portugiesische Kreditkartengeschäft von der Citigroup gekauft.

Die BMPS-Filialen, die im wohlhabenden Nordosten Italiens angesiedelt sind, dürften jeweils für vier Mill. Euro zu haben sein. Gemessen an den Preisen der jüngeren Vergangenheit wäre dies ein Schnäppchen. Die niederländische ABN Amro hatte 2005 pro Niederlassung 7,7 Mill. Euro gezahlt. Und die spanische Santander, die die Filialen im Zuge der Aufteilung der ABN Amro erhalten hatte, reichte sie im November 2007 für etwa neun Mill. Euro an die BMPS weiter.

Ein Gesamtpreis von ungefähr 500 Mill. Euro wäre für Barclays, die über eine Marktkapitalisierung von 46 Mrd. Euro verfügt, kaum mehr als Kleingeld. Aber der Deal wäre strategisch sinnvoll. John Varley, der Chief Executive von Barclays, will das internationale Einlagen- und Kreditgeschäft und den Retail-Bereich ausbauen und die Erträge streuen. Die Filialen hätten überdies willkommene Einlagen im Gepäck.

Vor der Krise hatte Barclays von ganz großen und wagemutigen Manövern geträumt, allen voran von einer Fusion mit ABN Amro. Doch heutzutage ist es sinnvoll, sich Vermögenswerte im europäischen Retail-Bereich Stück für Stück anzueignen. Die Konzentration auf kleinere Deals ermöglicht es Barclays, sich die besten unter den mit einem attraktiven Preis versehenen Vermögenswerten herauszupicken.

Es sollten sich weitere Gelegenheiten ergeben. Einige von der Rezession geschwächte Banken werden auf eine nachhaltige Größe schrumpfen müssen. Und von der Krise ausgelöste Umstrukturierungen in vielen europäischen Ländern veranlassen die Wettbewerbsbehörden dazu, Verkäufe anzuordnen. Das ist eine Chance für die Institute, die stark genug sind, um zuzuschlagen.

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