Bear Stearns
Nur Mut

Der letzte Chief Executive von Bear Stearns verlässt JPMorgan, den neuen Eigentümer der ruinierten Wall Street-Firma. Anders als andere degradierte Führungskräfte wird Alan Schwartz wahrscheinlich nicht mit einem goldenen Handschlag verabschiedet werden. Aber wenigstens ereilt ihn nicht dasselbe Schicksal wie Michael Milken. Der Chef von Drexel Burnham Lambert war nämlich ins Gefängnis gewandert. Schwartz dagegen muss lediglich einen neuen Job finden.

Es mag Alan Schwartz schwer fallen, einen Hoffnungsschimmer am Horizont zu erkennen. Der Fusionsspezialist wird nun für immer als der letzte Chef von Bear Stearns bekannt sein, als der Mann, der an der Spitze der Wall Street-Firma stand, als sie der Illiquidität, der Angst und den Gerüchten zum Opfer fiel. Und jetzt hat er njcht einmal mehr einen Job. Der neue Eigentümer von Bear Stearns, JPMorgan, und Schwartz wollen getrennte Wege gehen. Aber es könnte alles noch viel schlimmer aussehen.

Sicher, es wartet beim Abschied wohl kein goldener Handschlag auf Schwartz. Da ging es einer Reihe anderer ehemaliger Chefs und Spitzenkräfte besser, die aufgrund der Finanzkrise ihren Schreibtisch, freiwillig oder gezwungenermaßen, geräumt haben. Der Ex-Boss von Merrill Lynch, Stan O?Neal, zum Beispiel hat sich mit 160 Mill. Dollar in der Tasche verabschiedet.

Bear Stearns hatte für die eigenen Führungskräfte auch keine Schutzklauseln für den Fall vorbereitet, dass sie nach einer Übernahme rausgeschmissen werden - einige der Konkurrenten bieten das Dreifache der durchschnittlichen Gesamtjahresvergütung der vorhergehenden, sagen wir, fünf Jahre, um den Betreffenden den sofortigen Abgang zu versüßen. Das mag ein Beispiel guter Unternehmensführung seitens Bear Stearns gewesen sein, aber für Schwartz macht es das Ganze nur noch schlimmer.

Doch wenigstens ereilt ihn nicht das gleiche Schicksal, das vor fast zwanzig Jahren den Chef einer weiteren Pleite-Bank der Wall Street heimgesucht hatte: Michael Milken, der Chef von Drexel Burnham Lambert, ist von der Chefetage in den Knast gewandert. Schwartz werden keine Missetaten vorgeworfen. Er wird also dem Gefängnis nur dann nahe kommen, falls die beiden ehemaligen Hedge Fonds-Manager von Bear, Ralph Cioffi und Matthew Tannin, die wegen Wertpapierbetrugs angeklagt sind, hinter schwedischen Gardinen landen und er sie vielleicht besuchen möchte.

Die Zukunft von Alan Schwartz sieht viel versprechender aus. Auch wenn er am Ruder stand, als Bear versank, konnte er dem härtesten Gegenschlag weitgehend entkommen. Der war für Jimmy Cayne reserviert, dessen immer distanzierter werdende Regentschaft an der Spitze von Bear schließlich zu Ende ging, als Schwartz im Januar das oberste Amt übernahm. Schwartz sollte also in der Lage sein, wieder Arbeit zu finden, ob bei einer anderen Investmentbank, einer Beteiligungsgesellschaft wie KKR oder bei einem Hedge Fonds. Lasst ihn nur nicht mehr an Subprime-Hypotheken ran.

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