Bergbau
Verborgene Qualitäten

Xstrata scheint die Synergien aus der vorgeschlagenen Fusion mit Anglo American äußerst konservativ zu bewerten. Die angekündigten Verbundvorteile von einer Mrd. Dollar scheinen der Betrag zu sein, der mit einem Minimum an politischen Wirbel erreicht werden kann. Doch ein einvernehmlicher Deal könnte viel mehr einbringen.
  • 0

Anglo American sollte aufpassen, sich nicht selbst einzureden, ein Deal mit Xstrata sei nichts wert. Der schweizerische Bergbaukonkurrent behauptet, eine Fusion zwischen den beiden Unternehmen könnte vor Steuern Synergien von "mindestens einer Mrd. Dollar" pro Jahr abwerfen. Diese Schätzung könnte sehr konservativ sein.

Xstrata hat drei Kategorien von Verbundeffekten identifiziert, welche allesamt von Ernst & Young bestätigt wurden. Über 458 Mill. Dollar an Einsparungen im operativen Geschäft könnten demnach bei den Kohle- und Kupferbereichen beider Minengesellschaften in Australien, Südafrika und Chile vorgenommen werden. Weitere Kostensenkungen über 237 Mill. Dollar sollen durch die Straffung regionaler Funktionen erreicht werden. Und schließlich rechnet Xstrata damit, dass auch bei zentralen Funktionen der Rotstift angesetzt werden kann, was eine weitere Reduzierung um 309 Mill. Dollar einbringen würde. So sind zum Beispiel die jährlichen Kosten für die Hauptniederlassung von Anglo doppelt so hoch wie die von Xstrata.

Synergien von einer Mrd. Dollar entsprechen rund drei Prozent der zusammengelegten jährlichen Kostenbasis von Anglo und Xstrata. Bei Abschlüssen im Bergbau gehen die Analysten üblicherweise von Einsparungen zwischen zwei und vier Prozent aus. Durch die Fusion von BHP und Billiton reduzierten sich die gemeinsamen Kosten um fünf Prozent. Zieht man dies als Maßstab heran, dann könnte Xstrata-Anglo Synergien über etwa 1,7 Mrd. Dollar pro Jahr schaffen, legt Liberum Capital nahe.

Anglo argumentierte, der dezentrale Ansatz von Xstrata würde die Verbundvorteile in ihr Gegenteil verkehren. Dadurch würde die südafrikanische Gruppe an ihrem bestehenden Ziel gehindert, durch zentralisierte Beschaffungsmaßnahmen bis 2011 die Kosten um eine Mrd. Dollar zu verringern. Anglo betont zudem, dass ihre Minen nicht nahe genug an denen von Xstrata lägen, um Ersparnisse zu ermöglichen.

Doch Xstrata hat, was das Umsetzen von Synergien angeht, gute Ergebnisse vorzuweisen, die ihre Aussagen untermauern. Bei kleineren Akquisitionen in der Vergangenheit habe man die ursprüngliche Synergie-Einschätzung um bis zu 500 Prozent übertroffen, behaupten die Schweizer. Das derzeitige Synergieziel von Xstrata berücksichtigt keine positiven Auswirkungen, die vielleicht aus kontroverseren Maßnahmen erwachsen könnten, wie dem Abbau von Arbeitsplätzen im südafrikanischen Bergbau oder der Überführung von Anglo in ihre eigene niedrigere Steuerbemessungsgrundlage in der Schweiz. Eine Steuerersparnis von fünf Prozent beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern von Anglo könnte laut Merrill Lynch weitere 200 Mill. Dollar an Einsparungen mit sich bringen.

Die Verbundvorteile weiter zu steigern, wird schwierig, wenn Anglo und Xstrata sich nicht mit geeinter Front präsentieren können - besonders angesichts der politischen Empfindsamkeiten, die den Deal umgeben. Das bedeutet, dass bei diesem potenziellen Abschluss der Wert einer Empfehlung des Boards besonders hoch sein könnte.

Kommentare zu " Bergbau: Verborgene Qualitäten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%