Bergbaukonzern Rio Tinto
Grimmige Minen

Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto hält das Übernahmeangebot des Konkurrenten BHP Billiton in Höhe von 150 Milliarden US-Dollar für zu niedrig. Damit würde Rio Tinto richtig liegen, wenn ein Zusammenschluss per Übernahme erfolgen würde. Auch für BHP wäre ein Kauf kein wirklich gutes Geschäft. Besser wäre die einvernehmlich Fusion beider Unternehmen.

Mit der 150-Milliarden-Euro-Offerte für Rio-Tinto hat BHP Billiton keinen guten Start erwischt. Rio Tinto lehnte den Vorschlag als einer Erwägung unwürdig ab. Wenn der Zusammenschluss beider Konzerne durch den Aufkauf aller Rio-Tinto-Aktien durch BHP erfolgen würde, müsste man den Managern des Übernahmekandidaten wohl recht geben. Eine solche Übernahme wäre aber nur der falsche Weg, beide Konzerne zusammenzuführen. Die Vorteile einer Kombination sind so groß, dass die beiden Bergbau-Giganten eine einvernehmlich Verbindung erwägen sollten.

Rio Tinto argumentiert, dass seine Bewertung vor der BHP-Offerte mit einem 20prozentigen Abschlag auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Rivalen deutlich zu niedrig gewesen sei. Während die BHP-Bewertung von steigenden Öl- und Nickelpreisen profitierte, wurde Rio Tinto an der Börse für den hohen Preis abgestraft, den man für den kanadischen Aluminiumkonzern Alcan bezahlte. Weil viele Analysten beide Konzerne im Blick haben, dürfte es Rio Tinto aber schwer fallen, eine Unterbewertung seiner Aktien nachzuweisen.

Betrachtet man die Synergien, so könnte Rio Tinto mit gutem Grund den Löwenanteil eines gemeinsamen Unternehmens für seine Aktionäre beanspruchen. Von den bislang geschätzten Synergien in Höhe von etwa 26 Milliarden US-Dollar ließe sich der Großteil in Pilbara realisieren, einem australischen Eisenerzkomplex, in dem beide Konzernen tätig sein. Von beiden Unternehmen verfügt Rio Tinto über die besser entwickelten Transportsysteme, BHP würde zudem von Technologien zur Aluminiumschmelze profitieren, die Rio Tinto mit Alcan übernommen hat.

Der Markt hat ein vorläufiges Urteil gefällt: BHP läuft Gefahr, den Rio-Tinto-Aktionären mehr zu bezahlen, als die Übernahme an Werten schafft. Seitdem das Angebot bekannt wurde, sank die Marktkapitalisierung von BHP um 9,5 Milliarden US-Dollar, während Rio Tintos Börsenwert um 30 Milliarden US-Dollar stieg. Wenn das derzeitige Wertverhältnis beider Aktien in etwa stabil bleibt, müsste die Übernahme weitere 16 Milliarden US-Dollar an Synergien erzeugen, um die BHP-Aktien wieder auf ein Kursniveau wie vor Ankündigung der Offerte zu bringen.

Anders gesagt: Während sich die BHP-Aktionäre mit einer Fusion noch anfreunden könnten, scheinen sie weniger erpicht zu sein auf eine Übernahme, die für die Aktionäre von Rio Tinto akzeptabel wäre. Um einen guten Schnitt bei der Transaktion zu machen, wird Rio Tinto von BHP einen noch höheren Aufschlag auf seinen Aktienkurs verlangen. BHP könnte gut beraten sein, diesen Forderungen zu widerstehen und eher auf eine Übernahme zu verzichten.

Die möglichen Synergien eines Zusammenschlusses sind allerdings so groß, dass man sie nicht einfach außer Acht lassen kann. Wenn der Unternehmenswert für die Aktionäre wirklich zählt, wäre die beste Alternative zur Übernahme ein friedlicher Zusammenschluss, beinahe eine Fusion unter Gleichen. Schließlich bringen die Minenaktivitäten beider Konzerne fast gleich hohe Gewinne.

Sicher ist auch bei einem friedlichen Zusammenschluss eine Debatte über den fairen Wert von Rio Tinto unausweichlich. Es dürfte zudem nicht einfach sein, das Management beider Unternehmen von einer Transaktion zu überzeugen, die keine klaren Gewinner kennt. Die Argumente für ein Zusammengehen beider Konzerne sind aber so überzeugend, dass es einen Versuch wert wäre.

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