Bergbaukonzerne
Überraschende Zurückhaltung bei Fusionen

Fusionsspekulanten halten sich bei der möglichen Zusammenlegung von Anglo American und Xstrata über 65 Mrd. Dollar auf beiden Seiten auffallend zurück. Das erscheint verwunderlich, handelt es sich doch um einem großen Deal in einer Zeit der Dürre.

Fusionsarbitrageure steigen nicht auf die mögliche Zusammenlegung von Anglo American mit Xstrata ein. Da die vorgeschlagene Fusion unter Gleichen über 65 Mrd. Dollar der größte mögliche Deal weit und breit in der derzeitigen Dürreperiode sein könnte, fällt ihre Abwesenheit bei beiden Minengesellschaften besonders auf.

Sicher, die Aktien haben sich in etwa so verhalten, als würden sich die Arbitrageure mächtig ans Werk machen. Der einfachste Weg, die Aussicht auf eine verbindliche Offerte zu einem Aufschlag gegenüber dem derzeitigen Kurs in Angriff zu nehmen, ist es, das Übernahmeziel zu kaufen und gegenüber dem Bieter eine Verkaufsposition einzugehen. Der Aktienkurs von Xstrata, dem möglichen Bieter, ist tatsächlich um 25 Prozent gefallen. Und die Titel von Anglo haben den Dow Jones Mining-Index um neun Prozent übertroffen.

Doch mehrere Quellen bestätigen, dass die Arbitrageure, deren Geschäft es ist, auf Fusionen zu spekulieren, sich abseits gehalten haben. Warum?

Im Grunde ist die Unsicherheit einfach zu groß. Zunächst einmal liegt noch keine bindende Offerte vor. Und wenn sich die Aktienkurse zu stark voneinander unterscheiden, wird Xstrata wahrscheinlich auch keine unterbreiten. Und wenn es Xstrata ernst mit ihrer Beteuerung meint, kein Gebot mit Aufschlag vorlegen zu wollen, wäre der Gewinnspielraum für die Arbitrageure begrenzt.

Zweitens könnte so einiges passieren, während der Markt auf einen Schachzug von Xstrata gegen Anglo wartet. Die Halbjahreszahlen könnten das Gleichgewicht ändern. Oder das Interesse der brasilianischen Vale an Xstrata könnte neu aufleben. Es besteht sogar die entfernte Möglichkeit, dass Anglo sich auf Xstrata stürzt.

Drittens könnte eines der besten Argumente, die Xstrata zugunsten einer Verschmelzung vorbringt, an Schlagkraft verlieren. Die Ernennung des angesehenen neuen Chairman von Anglo, Sir John Parker, ist ein erster Schritt, um gegen die vermeintliche Führungsschwäche bei Anglo vorzugehen.

Viertens könnte sich das Warten hinziehen. Der Chef von Xstrata, Mick Davis, deutete an, dass er bis zu 18 Monate abwarten könne. Das liegt weit hinter dem Investitionshorizont der meisten Arbitrageure.

Und schließlich wäre da noch die jüngste Vergangenheit. Arbitrageure haben sich in den vergangenen Jahren heftig die Finger verbrannt, als einige große Transaktionen im Bergbausektor nicht auf den Weg gebracht werden konnten. Man denke nur an die Offerte von BHP Billiton für Rio Tinto und das Werben von Vale um Xstrata. Ein zweifach gebranntes Kind, scheut das Feuer erst recht.

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