Bericht des FDIC
US-Banken: Vom Aussterben bedroht

Der Quartalsbericht des US-Einlagensicherungsinstituts FDIC entwirft ein düsteres Bild: Neun gescheiterte Banken im dritten Quartal, die Liste der Gefährdeten ist viel länger geworden, die Probleme weiten sich aus und die Reservepolster der Banken sind geschrumpft. Und doch gibt es etwas Hoffnung.

Der jüngste Bericht des US-Einlagensicherungsinstituts Federal Deposit Insurance Corp (FDIC) entwirft ein düsteres Bild des amerikanischen Bankensektors. Die Bankpleiten haben zugenommen, die Probleme greifen um sich und die Reservepolster der Banken sind geschrumpft. Doch hier und da sind auch etwas hellere Flecken auszumachen.

Zuerst die schlechte Nachricht. Gemessen an einer Reihe von Indikatoren, darunter dem Anteil der Institute, die Verluste schreiben, dem Niveau der Kreditausfälle, der Ausfallquote der Darlehensnehmer und den Bankinsolvenzen – im dritten Quartal waren es neun, darunter Washington Mutual, die an JPMorgan verkauft wurde – befinden sich die amerikanischen Banken und Sparkassen in der schlechtesten Verfassung seit Anfang der neunziger Jahre, als die letzte durch Immobilien ausgelöste Krise in Amerika ihre Nachwirkungen zeigte.

Die Liste der Banken, die die FDIC als problematisch einstuft, hat sich im Berichtsquartal von 117 auf 171 Fälle verlängert. Auch die Kreditverluste haben sich gesteigert. Bedrohlicherweise hat sich das Verhältnis der Reserven der Banken zu den langfristigen Ausleihungen von 89 Prozent auf 85 Prozent abgeschwächt. Das ist der zehnte Quartalsrückgang in Folge, wodurch das Polster der Banken gegen neue Verlusten immer dünner wird.

Und die Lage hat sich im Oktober vermutlich noch weiter verschlechtert, auch wenn sich vereinzelt abzeichnet, dass die massiven Liquiditätsprogramme des US-Finanzministeriums, der US-Notenbank Fed und des FDIC im November langsam gegriffen haben.

Doch das dritte Quartal hatte tatsächlich auch einige kleine Lichtblicke zu bieten. Trotz enormer Verluste bei großen Banken wie WaMu, Wachovia (die an Wells Fargo verkauft wurde) und Citigroup hat es die US-Bankenbranche immer noch geschafft, einen kleinen Gewinn zu erwirtschaften – rund 1,7 Mrd. Dollar waren es laut FDIC. Zugegeben, zieht man die im Vorjahresquartal erreichten Gewinne des Sektors von 27 Mrd. Dollar zum Vergleich heran, ergibt sich ein Rückgang um 94 Prozent. Aber es ist doch immerhin ein kleiner Trost, dass drei Viertel der amerikanischen Banken tatsächlich schwarze Zahlen schrieben.

Und der Nettozinsertrag ist gegenüber dem Vorjahresniveau auch leicht gestiegen. Abgesehen davon, dass sie den Rest der Wirtschaft wieder in Bewegung setzen sollen, ist dieser Trend ein weiterer Grund für die Aufsichtsbehörden, die Banken zur Kreditvergabe zu ermutigen. Da die Risikoaufschläge hoch sind, sollte für die Banken genug Spielraum bestehen, um sich an diesem altmodischen Einnahmenstrom gütlich zu tun, der ihnen auch auf dem Weg der Erholung helfen könnte.

Alles in allem lässt sich sagen, dass sich das Licht am Ende des Tunnels schwach und weit entfernt ausnimmt. Das Finanzsystem mag zwar langsam die Kurve kriegen, aber was die US-Wirtschaft angeht, so dürfte sich die Situation erst einmal verschlechtern, bevor es wieder aufwärts geht. Und deshalb nutzt es nicht viel, dass vor dem Hintergrund der „tief greifenden Probleme“ der US-Banken, wie FDIC-Chefin Sheila Bair es nennt, viele der Kreditinstitute gar nicht einmal in einer so schlechten Verfassung sind wie die größten Vertreter der Branche, die natürlich auch immer die dicksten Schlagzeilen machen.

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