Berlusconi/Alitalia
Kavaliersrettung

Berlusconi sollte sein eigenes Kapital in Alitalia stecken. Der italienische Premierminister hat nach eigenen Angaben einen Plan, wie er die beinahe bankrotte Fluglinie retten will. Der milliardenschwere Politiker hat selten ein Problem damit, Politik und Geschäft zu vermischen. Wenn er zu wissen glaubt, was für Alitalia gut ist, dann sollte er sein eigenes Geld investieren.

Silvio Berlusconi ist dafür bekannt, ohne Hemmungen Politik und Geschäft miteinander zu verbinden. Das Wirtschaftsimperium des italienischen Premiers umfasst Fernsehen, Bücher, Filme, Vermögensverwaltungen und den Fußballclub AC Mailand. Er hat sogar einen einflussreichen Anteil an der Handelsbank Mediobanca. Warum also sollte er nicht auch ein Stück der problembeladenen nationalen Fluglinie Alitalia hinzufügen?

Mit Sicherheit hat er diese Möglichkeit schon einmal in Erwägung gezogen. Als Berlusconi das Wahlversprechen abgab, dafür zu sorgen, dass Alitalia in italienischer Hand bleibt - und eine Übernahme durch Air France KLM erfolgreich verhinderte - deutete er schon an, seine Söhne könnten vielleicht in die Bresche springen. Alitalia braucht dringend Hilfe. Pro Tag verliert die Airline 2 Millionen Euro. Wäre nicht die Regierung mit einem Kredit über 300 Millionen Euro eingesprungen, den letztendlich die Steuerzahler zu tragen haben, hätte Alitalia schon längst eine Bruchlandung hingelegt.

Jetzt aber hat Berlusconi Details seines Rettungsplans bekanntgegeben - zur Freude der hungernden Meute. In den Worten der Tageszeitung Il Giornale, die von Berlusconis Bruder geleitet wird, heißt das: "Berlusconis Ankündigung: So werde ich Alitalia retten". Allerdings nicht wirklich er selbst. Nach seinem Modell soll ein Teil von Alitalia mit der rivalisierenden italienischen Fluggesellschaft Air One verschmolzen werden. Das bedeutet, mindestens 5.000 Stellen sollen gestrichen werden. Einige führende italienische Industrieunternehmen sowie auch Morgan Stanley sollen Anteile übernehmen können. Der reichste Italiener - der Premierminister - fehlte auffallend auf der Liste.

Sein Fernbleiben könnte Ausdruck seines Instinkts als vorsichtiger Investor sein. Vielleicht zeigt seine Zurückhaltung, etwas von seinem 10-Milliarden-Euro-Vermögen zu investieren, dass er nicht wirklich von den Vorteilen des Geschäfts überzeugt ist. Kein Wunder, die Alitalia-Gewerkschaften stehen schon Gewehr bei Fuß. Sie hoffen wohl darauf, dass Italiens selbsternannter Ritter auch in der Realität zur Rettung heran galoppiert kommt - und seinen Worten auch Taten folgen lässt.

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