Bernanke
Gegen jede Intuition und falsch

Die Idee, dass die US-Regierung für in Schwierigkeiten geratene Vermögenswerte der Banken Preise zahlen soll, die über den Marktbewertungen liegen, klingt wie eine Anleitung zum Desaster. Und doch versucht Ben Bernanke, der Chairman der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, den US-Kongress davon zu überzeugen, genau dies zu tun.

Die Idee, dass die US-Regierung für in Schwierigkeiten geratene Vermögenswerte der Banken Preise zahlen soll, die über den Marktbewertungen liegen, klingt wie eine Anleitung zum Desaster. Und doch versucht Ben Bernanke, der Chairman der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, den US-Kongress davon zu überzeugen, genau dies zu tun. Er argumentiert, dass das vorgeschlagene Troubled Asset Relief Program (Tarp) über 700 Mrd. Dollar dazu eingesetzt werden soll, um Hypothekenvermögenswerte zu Preisen zu kaufen, die nahe bei dem Niveau liegen, das die Papiere erreicht hätten, wären sie bis zur Endfälligkeit gehalten worden. Dadurch würden, so Bernanke, den blockierten Märkten Liquidität zugeführt und die Banken mit frischem Kapital versorgt. Aber diese beiden Ziele sollten am besten auseinander gehalten werden.

Sollte die Regierung dem Kauf dieser Vermögenswerte zustimmen, würde dies natürlich dazu führen, dass deren Preise steigen. Wenn ein großer Käufer in einen ansonsten illiquiden Markt eintritt, löst er damit eine massive Aufwärtsbewegung der Preise aus. Selbst wenn die Regierung die Preise über Auktionen festlegen würde, könnten die Bewertungen der Vermögenswerte immer noch beträchtlich anziehen. Die Überlegungen von Bernanke scheinen dahin zu gehen, dass die Steigerung der Preise der Vermögenswerte und die Beseitigung der Unsicherheit es den Banken erleichtern würden, sich zu rekapitalisieren.

Wenn die Aufsichtsbehörden wirklich der Überzeugung sind, dass die Probleme der Banken von irrationalen Preisen herrühren, dann gibt es möglicherweise eine billigere Lösung: Die Änderung der Ärt und Weise, wie Not leidende Vermögenswerte in der Rechnungslegung behandelt werden. Wenn die Banken die Vermögenswerte auf der Basis, dass diese bis zur Fälligkeit gehalten werden, bewerteten und nicht zu Marktpreisen, dann müssten sie geringere Abwertungen vornehmen - und könnten sie möglicherweise sogar aufwerten. Schließlich liegt der Grund dafür, dass Bernanke vorgeschlagen hat, Tarp sollte Endfälligkeitspreise anbieten, darin, dass diese höher ausfallen werden als der innere Wert der Vermögenswerte.

Aber die US-Regierung dazu zu bringen, Vermögenswerte zu aufgeblähten Preisen zu kaufen, ist keine gute Idee. Das hieße, die Steuerzahler in die Pfanne zu hauen. Darüber hinaus reichen die vorgeschlagenen 700 Mrd. Dollar möglicherweise nicht aus, um den Schlamassel ganz zu beseitigen. Ein solches Vorgehen wird nur die Märkte dabei bremsen, ihre angemessenen Abrechnungspreise zu finden. Und wenn die Unsicherheit anhält, wird sie die Anstrengungen der Banken behindern, sich adäquat zu rekapitalisieren.

Wenn die Regierung hartnäckig auf einer Rekapitalisierung der Banken besteht - was in sich selbst eine enttäuschend dem Markt abgewandte Lösung wäre - , dann würde sie sehr viel mehr für das Geld der Steuerzahler geboten kriegen, wenn sie einfach direkt in sie investiert, vorzugsweise zu beschwerlichen Konditionen für die betroffenen Institute. Dies wäre dann wenigstens das geringere der beiden Übel.

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