Bespitzelungsskandal
Deutsche Bank: Die Schule der Skandale

Die Deutsche Bank sagt, sie habe in der Datenaffäre ihr Haus in Ordnung gebracht. Doch die Detektive, die das Kreditinstitut angeheuert hatte, und zwei Manager der mittleren Ebene, die herumspioniert haben sollen und deshalb entlassen wurden, protestieren. Und die Aufsichtsbehörden haben auch noch keine Entwarnung gegeben. Wenn es in Unternehmen zu Fehlverhalten kommt, dann wandert der Schwarze Peter oft höher hinauf, als den Spitzenkräften lieb ist.
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Es sieht ganz so aus, als nähme der Bespitzelungsskandal bei der Deutschen Bank ein sauberes Ende. Fast schon zu sauber. Zwar mag das Kreditinstitut geradezu lehrbuchmäßig auf die Affäre reagiert haben. Die Verantwortlichen haben die Aufsichtsbehörden alarmiert und versprochen, umsichtig vorzugehen, um vergleichbare Spektakel wie bei anderen deutschen Unternehmen zu vermeiden. Doch derlei Situationen erweisen sich nur allzu oft als schädlicher, als es dem Management lieb wäre.

Bei einer internen Untersuchung stellte sich heraus, dass das Sicherheitsteam des Konzerns ein Vorstandsmitglied, einen kritischen Aktionär und zwei andere Personen in einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren überwacht hatte. Die vier Vorfälle gelten als voneinander isoliert, und die fragwürdigen Observierungsmethoden werden weitgehend externen Vertragsfirmen angelastet. Die Deutsche Bank hat aufgrund dieser Angelegenheit den Leiter der Abteilung Investor Relations und den Chef der Sicherheitsabteilung entlassen.

Betrachtet man die bisher veröffentlichten Einzelheiten, dann sieht dieser Skandal harmloser aus als jene bei der Deutschen Telekom und der Deutschen Bahn. Vielleicht hätte man es aber doch besser der Polizei überlassen sollen, das Foto einer Person aufzustöbern, die dem Management der Deutschen Bank Drohbriefe zusandte. Allerdings hatte die Bank einen guten Grund zu besonderer Vorsicht, denn im November 1989 war der damalige Vorstand der Bank, Alfred Herrhausen, ermordet worden.

Trotzdem klingt die Behauptung der Deutschen Bank, "legitime Ziele erreichen" zu wollen, etwas weit hergeholt, wenn man dazu ein Aufsichtsratsmitglied ausspioniert, das Finanzinformationen an einen Journalisten weitergereicht haben soll - besonders da der Verdacht im Sand verlief. Die aggressive Verfolgung einer Verschwörungstheorie um einen prozessfreudigen lästigen Investoren hat sich ebenfalls als vergeblich erwiesen.

Nicht jeder ist vollkommen davon überzeugt, dass alles restlos aufgedeckt worden ist. Einer der externen Detektive, der früher bei der Deutschen Bank angestellt war, hatte angedeutet, dass die Bank tatsächlich noch viel mehr Ziele im Visier hatte. Belastbare Beweise ist er allerdings schuldig geblieben. Die zwei entlassenen Führungskräfte gehen gerichtlich gegen die Bank vor. Die Aufsichtsbehörden setzen ihre Untersuchungen fort.

Wenn sich in großen Unternehmen Skandale abzeichnen, unterschätzt die oberste Führungsriege anfangs oft, wie weit sich die Vorwürfe in der Hierarchie nach oben ausbreiten werden. Als Extrembeispiel könnte die UBS dienen. Als im Dezember 2007 ein russischer Milliardär sich schuldig bekannte, die amerikanischen Steuergesetze umgangen zu haben, indem er Vermögenswerte auf Auslandskonten versteckte, führte die Spur zu einem Privatbanker der schweizerischen Gruppe. Aus diesem angeblich isolierten Vorfall wurde bald weit mehr - er erreichte schließlich die höchste Ebene des UBS-Managements und kostete die Bank Milliarden.

Die Untersuchung, die vom Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, angeordnet und von einer externen Anwaltskanzlei vorgenommen wurde, könnte tatsächlich alles an Licht gebracht haben. Aber wie die Geschichte nahe legt, ist es nicht unfair sich zu fragen, ob ein paar überengagierte Manager der mittleren Ebene die einzigen - oder die ranghöchsten - Mitarbeiter waren, die da einige ethische oder gesetzliche Grenzen überschritten haben.

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