Best Buy
Mehr ist weniger

Die US-Einzelhändler hatten sich im November rosiger Umsätze erfreut. Daher wirkt die Warnung von Best Buy vor einer möglichen Stagnation der Margen ernüchternd. Die Firma ist gut geführt und noch dazu im angesagten Elektroniksektor beheimatet. Ihr größter Konkurrent hat vor kurzem aufgegeben. Wenn Best Buy schon nicht gut abschneidet, dann verheißt dies nichts Gutes für andere Einzelhändler.
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Best Buy hat einen Schatten über den US-Einzelhandelsektor geworfen. Gerade waren die amerikanischen Einzelhandelsunternehmen dabei, ihre düstere Stimmung abzuschütteln. Steigende Umsatzzahlen im November hatten den Aussichten der Branche gar etwas Glanz verliehen. Nun hat Best Buy mit seiner Warnung, die Margen könnten im vierten Quartal stagnieren, diesen Optimismus merklich abgekühlt.

Best Buy verbucht im Vergleich mehr Pluspunkte als die meisten Einzelhändler. Die Firma ist gut geführt, sie ist im angesagten Elektroniksektor beheimatet und ihr größter Konkurrent, Circuit City, wurde Anfang des Jahres liquidiert. Dies spiegelte sich auch im Umsatz und in der Rentabilität von Best Buy im dritten Quartal wider. Die Einnahmen kletterten um fünf Prozent, nachdem das Unternehmen neue Geschäfte eröffnet hatte. Eine bessere Kostenkontrolle trug dazu bei, den Gewinn nach Herausrechnung der Sonderposten um mehr als die Hälfte zu verbessern.

Und trotzdem hat Best Buy ein Problem. Gewiss gehören elektronische Geräte in diesem Jahr zu den am meisten gesuchten Artikeln und zu den gängigsten Waren, die am Black Friday in die Einkaufswagen gelegt wurden - dem Tag nach dem amerikanischen Erntedankfest, der traditionell den Auftakt zur vorweihnachtlichen Einkaufssaison in den USA gibt.

Allerdings steigt die Nachfrage nach diesen Geräten nicht schnell genug, um die fallenden Preise auszugleichen. Zwar wurden in dieser Saison mengenmäßig 15 Prozent mehr Flachbildschirmfernsehgeräte abgesetzt, doch gemäß den Berechnungen der NDP Group ist der durchschnittliche Preis um 22 Prozent gefallen. Viele Konsumenten entscheiden sich im jeweiligen Segment für die billigeren Artikel und kaufen etwa ein Netbook für 250 Dollar statt einem Laptop für 1000 Dollar, berichtet Best Buy. Dies führte zu der Warnung von Best Buy, dass die Margen im vierten und wichtigsten Quartal trotz steigender Umsätze stagnieren dürften.

Damit sehen die Aktien des Unternehmens derzeit ein wenig überbewertet aus. Der deflationäre Druck im Bereich Verbraucherelektronik dürfte sich intensivieren, wenn die Weihnachtseinkäufe erst einmal erledigt sind. Trotzdem wird Best Buy mit dem 13fachen der erwarteten Ergebnisse gehandelt und damit relativ nahe bei der Spitzenbewertung, die in den vergangenen fünf Jahren erreicht worden war, stellt die Research-Abteilung von Oppenheimer fest.

Darüber hinaus verweist diese Bewertung auf ein umfassenderes Problem des Sektors. Die Einzelhandelsumsätze ohne den Automobilbereich kletterten im November binnen Jahresfrist um 1,3 Prozent. Die Investoren hatten allerdings den S&P-Einzelhandelsindex in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 50 Prozent nach oben getrieben. Das ist fast doppelt so viel wie der Markt als Ganzes. Wenn die Tendenz unter den Best Buy-Kunden, sich für das billigere Produkt zu entscheiden, zur Orientierung herangezogen werden kann, dann könnten die Investoren des Einzelhandelssektors an Weinachten doppelt enttäuscht werden.

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