Beteiligungsbewertung
Die Zeit ist auf Ihrer Seite

Die Unternehmensbewertungen sind gefallen. Steve Schwarzman glaubt, es sei nun an der Zeit, wieder zu kaufen. Allerdings sehen das einige Beteiligungsexperten anders. Sie befürchten, dass das Ende des Preisverfalls noch nicht erreicht ist – und sowohl Fremd- als auch Eigenkapital knapp sind. Risikoscheue Gemüter rechnen wohl eher damit, dass die Buyout-Shops noch einige Zeit an der Seitenlinie warten müssen.

Steve Schwarzman von Blackstone betonte erst vor Kurzem, dass sich nach den Bewertungsabschlägen bei Vermögenswerten nun wieder gute Kaufgelegenheiten ergeben. Allerdings könnte es noch zu früh sein, jetzt wieder Unternehmen einzusammeln. Zwar hat sich so mancher Kurs inzwischen halbiert, aber die Talfahrt könnte noch weitergehen. Fremdkapital ist immer noch knapp und die ausgebluteten Eigenkapitalgeber dürften sich über Kapitalabrufe kaum freuen. So werden Beteiligungsgesellschaften bei der gegenwärtig eher risikoscheuen Stimmung wohl eher noch eine Weile abwarten.

Die Börsenindizes sind seit Juli 2007 dramatisch gefallen. Damals landete Blackstone den letzten großen Coup vor der Kreditkrise, den Mega-Buyout der Hilton Hotels. Seitdem hat sich zum Beispiel der S&P 500 fast halbiert.

Aber einige Besucher der SuperReturn-Jahreskonferenz der Beteiligungsunternehmen, die gegenwärtig in Berlin stattfindet, halten Unternehmen heute immer noch nicht für billig, bloß weil die Aktien stark gefallen sind. Die rückläufigen Unternehmensgewinne sprechen immer noch gegen ein Investment. Standard & Poor’s glauben, dass die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im vierten Quartal 2008 erstmals in der Summe negativ ausfallen könnten. Und 2009 könne sich der Druck sogar noch weiter erhöhen. Vor diesem Hintergrund hüten sich viele Investoren, sich auf neue Deals einzulassen. Sie rechnen damit, dass die Bodenbildung erst noch bevorsteht. Aber Schwarzman ist auch nicht der Einzige, der glaubt, jetzt sei die Zeit für Käufe reif. Und die Beteiligungskapitalmanager argumentieren, dass sie sehr wohl in der Lage sind, die Unternehmen, die sie jetzt kaufen, durch die noch kommende Talsohle zu führen. Aber die kaufbereiten Beteiligungsmanager haben ein Problem: Sie finden so leicht keine Kapitalgeber. Auch wenn sich allmählich Tauwetter ankündigt, sind die Kreditgeber kaum in der Stimmung, sich jetzt auf Leveraged Buyouts einzulassen – und die Banken, die staatliche Hilfen angenommen haben, werden sich gerade bei der Finanzierung von Beteiligungsgeschäften zurückhalten.

Auch die Chancen, den Eigenkapitalanteil der Deals zu erhöhen, stehen nicht sehr gut. Investoren wie Stiftungen und Pensionsfonds haben den Buyoutfonds Milliardenbeträge zugesichert, sie aber in den meisten Fällen noch nicht eingezahlt. Nach Verlusten aus anderen Investitionen sind sie jetzt knapp bei Kasse und froh, wenn sie nicht gerade zu diesem Zeitpunkt die Mittel aufbringen müssen. Einige der Institutionellen gehören zudem auch dem Lager der risikoscheuen Investoren an, die lieber „erst einmal abwarten“. Da Beteiligungen ohnehin keine üppigen Renditen mehr abwerfen, ist es für die Buyoutfirmen ratsam, ihre Investoren bei Laune zu halten. Fazit, auch wenn die Buyoutshops begierig darauf sind, wieder ins Geschäft zu kommen, dürfte der Preisverfall bei den Vermögenswerten noch anhalten – und auch die Finanzierungsbedingungen müssen sich erst wieder erholen. Vielleicht gibt es ein paar Riesengelegenheiten, die zu verfolgen sich schon heute lohnen könnte. Aber bei den weitaus meisten der potenziellen Deals werden sich viele Investoren einig sein, dass Geduld der bessere Ratgeber ist.

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