Beteiligungsgesellschaften/Lehman
Konfliktmanagement

Lehman sondiert die Beteiligungsgesellschaften, die als Käufer für das Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank infrage kommen. Ein Buyout-Unternehmen könnte sich über seine Investmentfonds beteiligen. Aber früher oder später könnte Neuberger auch für die Muttergesellschaft interessant werden. Das könnte zu Konflikten zwischen den Investoren des Fonds und den Fondsmanagern führen.

In wenigen Wochen legen Lehman Brothers ihr Drittquartalsergebnis vor. Die angeschlagene Investmentbank hat sich unter den Beteiligungsgesellschaften umgesehen, die an ihrem Vermögensverwaltungsgeschäft - darunter Neuberger Berman - interessiert sein könnten. Zweifellos möchte Lehman den Aktionären bei der Ergebniskonferenz etwas über einen Verkauf erzählen können.

Die infrage kommenden Buyout-Shops würden sich voraussichtlich über die Investmentfonds, die sie managen, beteiligen. Aber früher oder später könnte Neuberger auch für die Verwaltungsgesellschaften seiner Mütter interessant werden. Daraus können Konflikte zwischen den Fondsinvestoren und den Fondsmanagern entstehen.

Anders als ein Autokonzern oder eine Energiegesellschaft kann eine Vermögensverwaltung für ein Beteiligungsunternehmen sowohl als reine Kapitalanlage als auch als strategisches Investment verstanden werden, über das die eigenen Beteiligungsangebote diversifiziert werden können. Buyout-Unternehmen nehmen Neuberger unter beiden Aspekten unter die Lupe. Blackstone zum Beispiel war an der Übernahme von Teilen des Lehman-Geschäfts interessiert, schien aber eher an einer direkten Beteiligung als an einem Investment über seine Fonds interessiert.

Blackstone ist inzwischen nicht mehr unter den Interessenten. Aber andere potenzielle Investoren - Kohlberg Kravis Roberts, Hellman & Friedman und Bain Capital - werden wahrscheinlich über die Beteiligungsfonds, die sie verwalten, einsteigen. KKR verhandelt gerade über den Kauf einer Tochtergesellschaft, die in Amsterdam börsennotiert ist, und bereitet gleichzeitig den eigenen Börsengang an der New Yorker Börse vor.

Der Kauf eines Vermögenswerts von über 7 Milliarden Dollar wird das Unternehmen voraussichtlich dazu zwingen, das Geschäft neu zu strukturieren. Die anderen beiden Interessenten auf der Liste haben offensichtlich weniger Ambitionen, ihr Vermögensverwaltungsgeschäft über Akquisitionen auszubauen.

Das Lehman-Geschäftsfeld über die eigenen Fonds zu kaufen, könnte allerdings Konflikte vorprogrammieren. Wenn die Fonds den Zeitpunkt für gekommen halten, Neuberger zu verkaufen, könnte eine Gruppe möglicher Interessenten aus Beteiligungsgesellschaften bestehen - darunter möglicherweise auch das Unternehmen, das den Fonds verwaltet oder Fonds, die an den Buyout-Unternehmen beteiligt sind.

Damit könnten Fondsmanager und Fondsinvestoren unterschiedliche Interessen verfolgen. Die Investoren erwarten einen möglichst hohen Preis, aber die Fonds wollen vielleicht nicht an Konkurrenten verkaufen. Gleichzeitig, wenn das Unternehmen selbst an diesem Vermögenswert interessiert ist, wird es kaum den höchstmöglichen Preis zahlen oder sich an einer Auktion beteiligen wollen. Natürlich kann ein hausinternes Geschäft für beide Parteien zu einem anständigen Ergebnis führen. Aber um die Fondsinvestoren davon zu überzeugen, sollten die Fondsmanager einen Plan vorlegen, der den Konfliktfall schon im Vorfeld regelt.

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