Beteiligungsunternehmen
Mit heiler Haut davonkommen

So lange die Buyout-Manager nicht zu viele Eier in einen Korb legen – eine Lektion, die KKR mit RJR Nabisco lehrte – sind Verluste wie Ripplewoods bei Reader’s Digest nicht existenzbedrohend. Einseitige Wetten auf einzelne Engagement und natürlich mehrere Fehlinvestitionen gleichzeitig können allerdings den Ruin bedeuten.
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Die Meldungen über Fehlschläge im Beteiligungsgeschäft überschlagen sich. Der drohende Konkurs von Reader?s Digest wird das 585-Millionen-Dollar-Investment von Ripplewoods Holdings und seiner Partner in den US-Zeitschriftenverlag in Luft auflösen. Das Hollywood-Studio Metro-Goldwyn-Mayer mischte jüngst sein Führungsteam neu. Die Neuordnung kam inmitten von Befürchtungen, der Konzern könne der nächste Kandidat sein, der Schutz unter dem US-Konkursparagraphen Chapter 11 sucht.

Natürlich sehen Beteiligungskapitalgeber es nicht gerade gern, wenn sich ihr Investment in Wohlgefallen auflöst. Aber selbst Geschäfte, die schiefgehen, müssen die Gesamtrendite nicht ruinieren, wenn die Beteiligungsfondsmanager ihre Anlagen nicht auf einzelne Unternehmungen konzentrieren. Befürchtungen, dass die Buyout-Barone auf dem Höhepunkt des jüngsten Booms die Regeln der Diversifikation in den Wind geschlagen haben könnten, sind jedoch durchaus berechtigt.

Von Tim Collins, dem Manager von Ripplewood, war dazu kein Kommentar zu erhalten. Aber Ripplewoods eigener Anteil an seinem 1,1-Milliarden-Dollar-Fonds dürfte mehr als 15 Prozent betragen. Das bedeutet, Ripplewood muss sich bei seinen anderen Investitionen schon sehr anstrengen, um die Anlagegelder seiner Kapitalgeber in voller Höhe zurückzahlen zu können - geschweige denn die 15 Prozent jährliche Rendite zu erwirtschaften, die sie inzwischen erwarten.

Beweisstück A zu der Behauptung "Diversifikation ist sinnvoll" lieferten Kohlberg Kravis Roberts. 1987 investierte das Beteiligungsunternehmen 58 Prozent seines Fonds in den Buyout von RJR Nabisco. In der Folge erwies sich RJR jedoch nicht gerade als Renner, sodass Kohlberg Kravis Roberts nur noch mit Mühe eine jährliche Rendite von gerade einmal 9 Prozent abwarf.

Heute sind es meist die Investoren, die festlegen, wie hoch der Anteil sein darf, den ein Beteiligungsfonds in ein einzelnes Engagement investieren darf. KKR zum Beispiel war 2006 mit nicht mehr als 13 Prozent an einem einzelnen Unternehmen beteiligt. Cerberus leitete weniger als 5 Prozent seiner Fondsmittel in Chrysler - den Rest steuerten die Investoren und Verbündeten des Beteiligungsunternehmens direkt bei. Und während ihr Geld beim Chrysler-Zusammenbruch verbrannte, war die Existenz von Cerberus durch Chrysler allein nie bedroht.

Allerdings investierte Cerberus zum Beispiel auch in GMAC, den Finanzdienstleistungsarm von General Motors, der die Regierung um eine Finanzspritze von 13,5 Milliarden Dollar bitten musste. Auf einseitige Wetten zu verzichten, kann den Verlust bei gelegentlichen Fehlschläge begrenzen. Ein Heilmittel gegen multiple Investment-Desaster ist Diversifikation aber nicht.

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