Bezugsrechtsemission der HSBC
HSBC: Absturz eines Idols

Die Aktien von HSBC waren am Montag in Hongkong um 24 Prozent abgesackt und kamen erst gefährlich nah bei dem Niveau zum Stillstand, zu dem die Bank die Investoren zum Kauf neuer Aktien über 18 Mrd. Dollar verlocken will. Da die Anleger nur noch ein paar Tage zum Überlegen haben, hätte der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein können.
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Die Aktien der HSBC sind am Montag dem Kurs ihrer Bezugsrechtsemission über 18 Mrd. Dollar gefährlich nahe gekommen. Zwar hängt der Sturz um 24 Prozent wohl vor allem mit den Eigentümlichkeiten der Börse in Hongkong zusammen. Dennoch muss die HSBC, wenn sie erst einmal ihre Bilanz repariert hat, das Vertrauen desillusionierter Investoren wieder gewinnen.

Die Bezugsrechtsemission der HSBC wird ihre Kernkapitalquote (Tier 1) auf robuste 9,5 Prozent anheben. Aber die Sorgen um ihre Bilanz dauern an, besonders was das US-Kreditbuch der Bank angeht, das sich um 34 Mrd. Dollar verschlechtert hat. Diese Papierverluste müssen zwar vielleicht nicht realisiert werden, aber die Konjunkturauguren verheißen - speziell im Hinblick auf die steigende Arbeitslosigkeit, mit der sich gewöhnlich die Kreditausfälle häufen - nichts Gutes.

Doch bei der Talfahrt der HSBC-Aktien mögen auch Emotionen eine Rolle gespielt haben. In Hongkong, wo ein Drittel der Aktien des Kreditinstituts gehandelt werden, galt die HSBC immer schon als eine Art Idol. Sie verfügt über das Banknotenprivileg und fungiert damit als Gegenstück der Königlich-Britischen Münzanstalt in Hongkong. Ungefähr 60 Prozent der Hongkonger besitzen Aktien der Bank. Sie alle mussten hilflos mit ansehen, wie sich der Kurs in diesem Jahr bisher halbiert hat. Die Ankündigung einer Bezugsrechtemission in der vergangenen Woche hat dann vollständig enthüllt, auf welch tönernen Füßen das Götzenbild steht.

Trotzdem könnten sich die Verluste vom Montag eher auf lokalspezifische Eigentümlichkeiten als auf einen Gesinnungswandel der Massen zurückführen lassen. Die Hongkonger Börse beendet jeden Handelstag mit einer sonderbaren zehnminütigen Auktion, bei der ein Einheitskurs festgesetzt wird. Die Hälfte des Kurseinbruches der HSBC-Aktien fiel in diesen Zeitraum. Viele wohlhabende Privatinvestoren haben Ausleihungen gegen die einst so stabilen HSBC-Titel vorgenommen. Eine einzige beträchtliche Einschussforderung könnte den Kurs also schon verzerrt haben.

Was auch immer jetzt passiert, die HSBC wird ihr Geld bekommen. Die Bezugsrechtsemission ist vollständig garantiert. Gemäß den derzeitigen Bankenstandards bleibt das Geschäft der HSBC relativ stabil. Das Institut weist ein höheres Verhältnis von Ausleihungen zu Einlagen auf als die meisten seiner globalen Konkurrenten.

Aber wenn die HSBC erst einmal ihre Bilanz wieder aufgebaut hat, sollte sie sofort alles daran setzen, sich das Vertrauen ihrer desillusionierten Aktionäre wieder zu verdienen. Man muss sich nur Barclays anschauen, deren Aktien so stark verloren haben, weil die Anleger Angst hatten, die Bank müsse die britische Regierung um eine kostspielige Versicherung gegen künftige Verluste bitten. Cash in der Bank zu haben, ist schön und gut, aber Kapital ohne Vertrauen ist in diesen harten Zeiten nicht viel wert.

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