BG/Origin
Erweckung des Känguruhs

Die britische Gasgesellschaft BG könnte mit ihrem feindlichen Übernahmeversuch Erfolg haben. Der anvisierte australische Konkurrent Origin Energy wird es schwer haben, sich aggressiv zur Wehr zu setzen. Die Herausforderung besteht nun darin, die Aktionäre beider Gesellschaften davon zu überzeugen, dass der 13-Milliarden-Dollar-Deal vernünftig ist.

BG hat Origin Energy einen kurzen, aber heftigen Schock verpasst. Im Mai musste das britische Gasunternehmen vom australischen Kohleflözgas-Produzenten kurz vor zwölf eine Abfuhr auf sein 13,8-Milliarden Dollar-Angebot (6,7 Mrd. brit. Pfund) hinnehmen. Daraufhin fiel nun die Entscheidung, die Akquisition auf feindlichem Weg zu versuchen. Gegen den Willen der Origin-Führungsriege wandte sich BG jetzt mit seinem Übernahmeangebot direkt an die Aktionäre. Das Vorgehen ist ungewöhnlich aggressiv, aber richtig.

Offene feindliche Attacken wie diese, kommen selten vor. In einem anderen australischen Beispiel, der Übernahme von Rio Tinto durch BHP Billiton, verbrachte BHP Monate damit, Überzeugungsarbeit zu leisten, bevor es zu härteren Bandagen griff. Die Aktionäre davon zu überzeugen, sich gegen den Rat von Vorstand und Aufsichtsrat zu stellen, kann teuer werden. Und auch Banken sind nicht immer glücklich darüber, Geschäfte zu finanzieren, bei denen der Käufer möglicherweise keinen Blick in die Bücher des Übernahmeziels werfen kann.

BG scheint sich über beides keine Gedanken zu machen und hat wohl Recht damit. Origins Management hatte im Mai schon pro forma zugestimmt, bevor es den gebotenen Preis dann ablehnte. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit. Und Origins Hauptargument - ein vergleichbares Geschäft zwischen den Konkurrenten Petronas und Santos bewerte die Kohleflözgas-Vorkommen von Santos gemessen am BG-Angebot für die Origin-Reserven um 60 Prozent höher - wirkt schwach. Petronas kauft gleichzeitig einen Anteil an einer Verflüssigungsanlage und im Gegensatz zu Origin ist Santos nicht an ein Abkommen gebunden, 3 Millionen australische Haushalte mit Energie zu versorgen.

Die beteiligten Banken, angeführt von der spanischen Santander, scheinen ebenfalls ganz gelassen. Sie haben bereits zugestimmt, die notwendigen Barmittel für die Übernahme bereitzustellen, auch ohne Due Dilligence. Man kann annehmen, dass sie mit Origins relativ einfachem Geschäftsmodell zufrieden sind. Dabei ist es sicherlich hilfreich, dass BG nach letzten Zahlen aus eigener Kraft Barmittel in Höhe von 2,3 Milliarden Pfund zur Finanzierung beisteuern kann. Es müssen demnach also nur noch Kredite von 4,4 Milliarden Pfund in Anspruch genommen werden. Kleine Fische für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 41 Milliarden Pfund und einem für dieses Jahr erwarteten Gewinn (Ebitda), der die Finanzierungssumme übersteigt.

Zwischen Angebot und Geschäftsabschluss stehen noch die Aktionäre der britischen Gesellschaft, die dem Deal zustimmen müssen. Sie werden nun etwas über die Einsparpotenziale und die wirtschaftlichen Vorteile des Zusammenschlusses hören wollen. Aber je höher der Mehrwert, den die Fusion hervorbringt, desto mehr werden die Origin-Aktionäre für sich fordern. BGs Entschlossenheit ist zwar inzwischen Fakt, der endgültige Übernahmepreis aber wohl noch nicht.

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