BHP Billiton
Australisierung

BHP will Rio nicht nur übernehmen. Die Bergwerksgesellschaft will den Übernahmekandidaten gleich in Australien einbürgern. Das wäre auch nicht wirklich schlimm. Aber Rio sollte in der Lage sein, bessere Konditionen herauszuschlagen – schon allein wegen der politischen Lorbeeren, die BHP ernten würde, wenn es einen noch größeren australischen Rohstoff-Champion schafft.

BHP Billiton will Rio Tinto nicht nur übernehmen. Die Minengesellschaft will das Ziel ihrer Begierde gleich in Australien einbürgern. BHP ist bereits ein australisch dominierter Meister im Bereich natürliche Ressourcen. Aber nimmt man Rio noch dazu, dann würde der unangefochtene Alphamännchen-Gorilla der globalen Branche entstehen.

Das ist in beiden, einander entgegen gesetzten Teilen der Erde eine große Sache. Da läuft wohl nicht nur den Managern das Wasser im Mund zusammen, sondern auch dem neuen Premierminister. Kevin Rudd, der in dieser Woche sein Amt angetreten hat, spricht fließend Mandarin und hat die Beziehungen zu China zu einer der obersten Prioritäten erklärt. Rudd wird in Peking eine bessere Figur machen, wenn BHP sich Rio unter den Nagel reißt, denn China ist auf den Import von Bodenschätzen angewiesen – besonders auf das Eisenerz, das Rio in gigantischen Mengen produziert.

Aus der Ferne ist die geplante Australisierung wohl nur schwer auszumachen. BHP und Rio sind beide sowohl in Großbritannien als auch in Australien notiert. Aber in Wirklichkeit tendiert BHP zu Australien: Rund 60 Prozent ihres Aktienkapitals liegen dort unten, der seit langem amtierende Chairman der Bergwerksgesellschaft, Don Angus, ist Australier. Und von den Topmanagern wird verlangt, dass sie ihren Wohnsitz in Australien nehmen.

Dagegen neigt sich Rio eher Großbritannien zu: etwa 78 Prozent ihres Aktienkapitals ist in London notiert und ihr Chairman Paul Skinner ist Brite.

Darüber hinaus wurde die Offerte von BHP sorgfältig so gestaltet, dass sie ihren australischen Anstrich behält. Heute wäre das zusammengelegte Aktienkapital der Unternehmen nur zu 45 Prozent australisch dominiert. Aber BHP bietet ja keinen einfachen Tausch von Aktie gegen Aktie an. Sämtliche australischen Aktien von Rio würden in australische BHP-Papiere getauscht, aber nur 80 Prozent der britischen Aktien von Rio würden in Londoner Titel von BHP getauscht. Der Rest würde in australische Aktien umgewandelt. Durch diesen Dreh würde sich der australische Anteil am gesamten Aktienkapital auf 51 Prozent erhöhen. Zudem plant BHP nachfolgend einen Rückkauf über 30 Mrd. Dollar. Wenn dieses Programm ganz dafür eingesetzt werden würde, britische Papiere zu kaufen, würde der australische Anteil sogar noch höher, nämlich auf 56 Prozent, klettern.

Eine solche Australisierung wäre nicht schlecht für die Aktionäre von Rio. Während es einige Vorteile gibt, einen Minengiganten von London aus zu leiten, spricht aber auch einiges für Australien. Die Hälfte der Vermögenswerte von BHP-Rio wären „down under“, während in Großbritannien buchstäblich keiner zu finden wäre. Vor diesem Hintergrund sollte Rio die Tatsache, dass BHP enorme politische Ehren aus dem geplanten Abschluss erwachsen werden, als einen weiteren Anlass für sich zu nutzen wissen, dem Werber bessere Konditionen abzuverlangen.

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