BHP Billiton/Rio Tinto
Die Zeit vergeht

Eine Fusion zwischen BHP und Rio über insgesamt 420 Mrd. Dollar kann noch Monate lang auf sich warten lassen. Und in der Zwischenzeit verliert Rio, gemessen an der Offerte von BHP, an Wert. Der Deal, falls er denn überhaupt zustande kommt, muss wahrscheinlich zu einem höheren Preis erfolgen. Aber zunächst einmal spielt die lange Wartezeit BHP in die Hände.

In der Offerte von BHP Billiton für den Minenkonkurrenten Rio Tinto scheint die ganze Dringlichkeit von Samuel Becketts „Warten auf Godot“ zu stecken. Seit November ist BHP nun hinter Rio her, selbst ein formelles Gebot hat die Bergwerksgesellschaft schon eingereicht. Aber wie Becketts gleichnamiger Hauptdarsteller im Theaterstück stellt sich auch die Fusion über 420 Mrd. Dollar nicht ein. Die Verzögerung wirkt sich, zumindest vorerst, zugunsten von BHP aus.

BHP hat ihre Preisvorstellungen – 3,4 Aktien je Rio-Titel – klar gemacht. Was aussteht, ist das offizielle Ersuchen bei der europäischen Wettbewerbsaufsicht um eine kartellrechtliche Unbedenklichkeitserklärung. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn das aus der Verschmelzung entstehende, 420 Mrd. Dollar schwere Untier würde 40 Prozent des Markts für auf dem Seeweg transportiertes Eisenerz kontrollieren. Wenn man mögliche Verzögerungen seitens der Aufsichtsbehörden mit einrechnet, dann ist es unwahrscheinlich, dass die Transaktion noch 2008 abgeschlossen werden kann. Und während all dieser Zeit rutscht der Wert von Rio – gemessen an dem Gebot von BHP – unter die Konditionen der Offerte ab.

Das liegt an drei Faktoren. Zunächst einmal sind die BHP-Aktien durch den ungezügelten Preisanstieg bei Rohöl beflügelt worden, da Öl rund 15 Prozent zum Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von BHP beiträgt. Zum zweiten ist es für die Investoren nicht abzusehen, ob die Wettbewerbsaufsicht den Deal genehmigt. Deshalb haben sich einige Hedge Fonds gleich ganz zurückgezogen. Und zum dritten gilt, dass Zeit Geld ist, vor allem für Anleger, die sich Geld ausleihen, um ihre Positionen zu finanzieren.

Für ein kleineres Übernahmeziel wäre eine solche Verzögerung vielleicht willkommen. Es könnte die Zeit nutzen, um schnell eine Gegenofferte auf die Beine zu stellen oder sich darauf konzentrieren, besser abzuschneiden als der Verfolger. Aber bei 190 Mrd. Dollar kann man sich nur schwer einen weißen Ritter vorstellen, der groß genug wäre, um es mit Rio aufzunehmen. Und während das Unternehmen zwar immer wieder argumentieren kann, seine Zukunftsaussichten würden nicht angemessen berücksichtigt, macht das Ausmaß von Rio es schwer, einen wirklichen Ausschlag zu geben.

Der Vorteil von BHP könnte sich als flüchtig erweisen. Das Unternehmen wird wahrscheinlich mehr bieten müssen, um den Abschluss durchzukriegen. Eine Empfehlung des Board würde helfen, den Deal glatt über die Bühne zu bringen. Aber der Board von Rio wird wahrscheinlich keine abgeben, ohne dass sich eine weitere Delle bei der Bewertung einstellt. Doch je länger sich die Wartezeit hinzieht – besonders wenn der Ölpreis einen Rekord nach dem anderen knackt -, desto kleiner muss die Delle ausfallen.

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