BHP Billiton/Rio Tinto
Frage nicht, sage nichts

Die Offerte von BHP über 150 Mrd. Dollar für den Konkurrenten Rio Tinto wird Werte vernichten – wenn man den Synergiezielen von BHP Glauben schenken soll. Da aber die wirklichen Gewinne höher sein dürften, könnte BHP wohl auch mehr bieten. Der Haken dabei ist: Wenn man zu laut über einen Mehrgewinn redet, könnte das für beide Parteien ins Auge gehen.

Die Kunst bei Übernahmen besteht darin, sich zu einigen, wie viel vom Kuchen jede Seite abkriegt. Nehmen wir zum Beispiel die Offerte über 150 Mrd. Dollar von BHP Billiton für den Minenkonkurrenten Rio Tinto. Rio behauptet, der von BHP vorgeschlagene Aktientausch sei zu knauserig. Die Firma will ein größeres Stück vom Kuchen. Doch der Markt ist anscheinend der Überzeugung, BHP verschenke bereits seinen gesamten Anteil an den Vorzügen des Deals – und noch mehr.

Und das sagen die Zahlen: Hätte BHP sein Gebot für Rio nicht am 8. November vorgelegt und wären die Aktien der Bergwerksgesellschaft einfach nur dem Sektor gefolgt, dann wären sie um zwölf Prozent gefallen. Am Mittwoch waren die in London notierten Aktien von BHP allerdings um 17 Prozent gesunken. BHP hat einen Brocken von elf Mrd. Dollar seiner Marktkapitalisierung verloren, was nicht mit reinen Markteffekten erklärt werden kann. Das ist wohl kaum als Vertrauenserklärung seitens der Aktionäre zu werten.

Rio hat dagegen 18 Prozent bzw. 35 Mrd. Dollar mehr zugelegt, als wenn sie nur der Entwicklung des Sektors gefolgt wäre. Der zusätzliche Wert, der insgesamt geschaffen worden ist und der sich darin zeigt, um wie viel größer der Gewinn von Rio gegenüber den Einbußen von BHP ist, beträgt 24 Mrd. Dollar. Das ist ein wenig niedriger als der Kapitalwert von 30 Mrd. Dollar der jährlichen Synergien über 3,7 Mrd. Dollar, den BHP bisher dargelegt hat.

Aber da könnte noch mehr kommen. Die von BHP angeführten Verbundvorteile stammen aus Kosteneinsparungen und Produktionssteigerungen. Aber die größten Gewinne könnten, wie wütende Stahlhersteller jetzt feststellen, daraus resultieren, dass die beiden Unternehmen die Metallpreise in die Höhe treiben, besonders weil sie auf dem Markt für auf dem Seeweg befördertes Eisenerz fast ein Duopol bilden. Wenn man diese Macht bei der Preisgestaltung berücksichtigt, dann gehen einige Marktbeobachter davon aus, dass der Wert, der bei einem solchen Abschluss entstehen könnte, sogar 100 Mrd. Dollar erreichen könnte.

Das macht einen großen Unterschied bei der Berechnung aus. BHP bietet 3,4 eigene Aktien pro Rio-Titel an, die Rio-Aktionäre würden 44 Prozent an dem neuen Unternehmen erhalten. Wenn sich aber die Synergien wirklich auf 100 Mrd. Dollar beliefen, könnte BHP ihnen 4,5 Aktien bzw. 51Prozent des Unternehmens bieten und hätte dann immer noch einige Kuchenkrümel für die eigenen Aktionäre übrig.

Es sieht also so aus, als würde Rio zu Recht mehr verlangen. Aber die Sache hat einen Haken. Wie BHP auch, kann Rio ganz schnell zu viel in der Öffentlichkeit preisgeben. Sollte Rio andeuten, dass aus einer besseren Verhandlungsposition mit den Kunden ein noch viel höherer Wert bezogen werden könnte, könnte sich die Firma selbst zum Ziel neuer Aktionäre machen, die lieber die Preise niedrig als die Gewinne hoch halten.

Rio hat bereits einen ungeladenen Gast im Haus: die chinesische Metallgesellschaft Chinalco, die im vergangenen Monat einen Anteil von neun Prozent gekauft hat. Es kann kein Zufall sein, dass der Eigentümer von Chinalco, der chinesische Staat, der größte Kunde einer fusionierten BHP-Rio wäre. Wenn Rio vermeiden will, dass andere Unternehmen dem Beispiel von Chinalco folgen, wäre sie gut beraten, nach dem Motto „Frage nicht, sage nichts“ aus dem US-Militärhandbuch zu verfahren.

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