BHP-Rio Kartellverfahren
Graben um die Gunst der Wettbewerbshüter

Die Stahlkonzerne dürften die Ersten sein, die gegen die Megafusion der Minengesellschaften Sturm laufen. Kommt der Zusammenschluss zustande, ist mit Spannungen auf dem Markt für Eisenerz zu rechnen. Aber viele andere Unternehmen aus der ganzen Welt würden sich wohl anschließen.

Bestenfalls ist mit einem monatelangen Kampf um die Genehmigung zu rechnen. Schlimmstenfalls wird die Fusion untersagt. Den Kartellrechtlern läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn Sie daran denken, dass BHP Billiton und Rio Tinto sich das Jawort geben könnten. Da gäbe es noch viele Einwände vorzubringen und Klagen einzureichen. Die Juristen müssen aber noch etwas Geduld aufbringen. Vorerst sind die Rio-Aktionäre mit dem BHP-Angebot noch nicht zufrieden. Einigen sich die Unternehmen, könnten die Wettbewerbshüter zum schwierigeren Teil der Hochzeit werden.

Der Vertrag muss viele Genehmigungsverfahren durchlaufen, bevor er rechtskräftig werden kann. Jedes Land, in dem die Unternehmen Minen unterhalten oder Geschäfte betreiben, hat hier ein Wörtchen mitzureden. Da wären zum Beispiel die EU, Australien, Kanada, die USA, Indien, Südafrika, Japan und vielleicht auch China, die gerade ein neues Anti.Monopol-Gesetz eingeführt haben.

Die Aufsichtsbehörden dürften dem Deal kritisch gegenüberstehen. Ein BHP-Rio-Moloch könnte sich seines hohen Marktanteils bei Kohle, Aluminium und Uran erfreuen. Das größte Problem liegt aber auf dem Markt für Eisenerz. BHP-Rio würden 39 Prozent des Weltmarktes für den auf dem Seeweg transportierten Rohstoff kontrollieren. Die Stahlproduzenten ohne Landzugang zu Eisenerz, vor allem aus Westeuropa und China, könnten sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Der europäische Stahlverbund Eurofer hat bereits formal Beschwerde eingelegt.

Man muss nicht besonders betonen, dass BHP die Bedenken herunterspielt. Die Verantwortlichen argumentieren, dass das kombinierte Unternehmen weitaus besser in der Lage wäre, die aufkeimende Nachfrage zu befriedigen. BHP hat die harten Prüfungen der Wettbewerbsbehörden einkalkuliert, die mindestens neun Monate dauern werden – vorausgesetzt, Rio ist mit von der Partie.

Allerdings glauben die Wettbewerbshüter, vor allem in Europa, den lauten Kundenbeschwerden leichter als den Wohlverhaltens-Beteuerungen der fusionssuchenden Unternehmen. Man wird wenige Zulassungsbeispiele finden, die dazu geführt haben, dass ein einzelnes Unternehmen knapp 40 Prozent eines Schlüsselrohstoffs in einem wesentlichen Industrieprodukt kontrolliert.

Ein Präzedenzfall aus der Geschichte sollte die Unternehmen nachdenklich stimmen. Vor einem Jahrzehnt verweigerte die Europäische Kommission den geplanten Zusammenschluss der südafrikanischen Platinminen Gencor und Lonrho. Gencor-Lonrho wäre lediglich auf einen Marktanteil von 28 Prozent gekommen, weniger als Anglo Americans 35 Prozent.

Auch der BHP-Rio Fusion könnte die Zustimmung verweigert werden. Zumindest könnten die Wettbewerbswächter das neue Unternehmen zwingen so viele Minen zu verkaufen, dass die wirtschaftliche Grundlage des Deals ad absurdum geführt werden könnte. Investoren dürfte die Unsicherheit nicht gefallen. Eins aber ist sicher. Wenn der Zusammenschluss spruchreif wird, wird es den Wettbewerbsjuristen nicht an Arbeit mangeln.

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