BHP und Rio Tinto
Das China-Syndrom

Sollte China der Offerte von BHP Billiton für Rio Tinto einen Strich durch die Rechnung machen, würde das ein politisches Beben auslösen. Aber es entbehrt nicht der Logik. China dürfte dank seines unstillbaren Hungers auf Eisenerz bald der größte Kunde von Rio sein. Das Land könnte sich die Gewinne wieder hereinholen und einige seiner Reserven besser einsetzen.

Der unstillbare Bedarf Chinas an Eisenerz hat die Offerte von BHP Billiton für den anglo-australischen Konkurrenten Rio Tinto über 150 Mrd. Dollar mit angetrieben. Wenn Rio jetzt, nachdem sie das Angebot abgelehnt hat, auf ein besseres wartet, welcher weiße Ritter könnte dann geeigneter sein, als einer aus dem Reich der Mitte selbst?

China ist derzeit zwar nicht der größte Kunde von Rio – könnte das aber bald sein. Sein Einkaufsvolumen bei Rio hat sich seit 2000 fast verzehnfacht. Tatsächlich ist eine treibende Kraft hinter der derzeitigen hohen Rentabilität der Bergwerksgesellschaft und der jüngsten überdurchschnittlichen Entwicklung ihrer Aktien die Überzeugung, dass China seine glühende Wachstumsrate im fast zweistelligen Bereich aufrechterhalten wird. Wachstum in einem immer noch armen Land wie China hängt von großen Mengen Eisen und anderer Rohstoffe ab.

Und das ist eine ganze Menge Gewinn, von dem die chinesische Regierung vielleicht nicht will, dass er in die Heimatländer ausländischer Aktionäre zurückfließt. Das Land könnte auch die berechtigte Sorge haben, das eine fusionierte BHP-Rio genauso daran interessiert sein könnte, die Preise oben zu halten wie für ausreichenden Nachschub zu sorgen.

Sollte China einschreiten, hätte das Land einen Vorteil gegenüber anderen Bietern: Liquidität im Überfluss – im Besonderen Devisenreserven von rund 1,4 Bill. Dollar. Besser noch: In unterirdische Vermögenswerte zu investieren, könnte die Rendite auf diesen massiven Berg von Geldern verbessern, die vorwiegend in US-Staatsanleihen mit niedriger Rendite investiert sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Rio liegt da etwa zwei Prozentpunkte höher.

Natürlich würde eine Gegenofferte aus China große Schockwellen auslösen. Australien und Kanada, die zwei Drittel der Vermögenswerte von Rio beheimaten, würden es ungern sehen, wenn ihre natürlichen Reichtümer in chinesische Hände fielen. Großbritannien, wo sowohl BHP als auch Rio ihren Hauptsitz haben, würde bestimmt auch einen Grund dafür finden, Schwierigkeiten zu machen.

Darüber hinaus fehlen zwei Dinge, damit eine chinesische Übernahme funktionieren könnte. Zunächst einmal mangelt es am internationalen Verhandlungsgeschick und an der politischen Neutralität, die aus unabhängigen Bergwerksgesellschaften willkommene Partner für an Ressourcen reiche Regierungen machen. Zum zweiten fehlt es China an der Erfahrung, wie man Geschäfte abwickelt. Der chinesische Staatsfonds hat fast keine, besonders nicht auf diesem Niveau – obwohl da seine neuen Freunde bei der Beteiligungsfirma Blackstone, an der er mit zehn Prozent beteiligt ist, wohl ohne Zweifel gerne aushelfen würden.

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