Bierbrauer
Femsa: Ernüchterung für den Nachzügler

Während die Konkurrenten im Konsolidierungsrausch miteinander anstießen, hatte Femsa zufrieden allein über seinem Bier gesessen. Doch genau zu dem Zeitpunkt, zu dem sich viele mögliche Werber bei anderen Deals einen Schuldenkater zugezogen haben, will der mexikanische Brauer nun mitmischen. Die M&A-Schaumkrone ist aber in sich zusammengefallen, Spitzenbeträge für den Nachzügler sind unwahrscheinlich.
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Femsa kommt spät zur Bierparty. Der mexikanische Hersteller von "Dos Equis", "Tecate" und "Sol" hatte zufrieden allein sein Bier geschlürft, während die Konkurrenten in den vergangenen Jahren im globalen Konsolidierungsrausch miteinander anstießen. Jetzt wollen die Mexikaner mitmischen. Sie bestätigten Gespräche, den Bierbereich möglicherweise von ihren Abfüllgeschäften für Coca-Cola und dem Betrieb von Supermärkten abtrennen zu wollen. Aber viele mögliche Werber leiden gerade unter einem Schuldenkater aus jenen vorangegangenen Abschlüssen. Nachdem die M&A-Schaumkrone in sich zusammengefallen ist, dürften verbleibende Bieter kaum Spitzenbeträge für den bitteren Nachgeschmack von Femsa hinlegen.

Inbev ist immer noch dabei, die Übernahme von Anheuser-Busch zu verdauen. Zudem hat die belgische Brauerei den Mehrheitsanteil am größeren inländischen Femsa-Rivalen Modelo inne, wodurch sich fast sicher aufsichtsrechtliche Hürden aufbauen würden. Mit Heineken sitzt Femsa in Brasilien über die 17-prozentige Beteiligung an Kaiser zwar schon am gleichen Tisch. Doch da die Nettoverbindlichkeiten des niederländischen Brauers bereits das Dreifache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) betragen, hätte Heineken wahrscheinlich große Schwierigkeiten damit, mehr Mittel aufzunehmen, ohne gegen Kreditauflagen zu verstoßen - und Aktien auszugeben, könnte die Mehrheitskontrolle der Familie gefährden. Molson Coors ist vermutlich zu klein, um einen gemeinsamen Vorstoß mit Femsa südlich der amerikanischen Grenze zu wagen.

Damit gehört SAB-Miller zu den wenigen, die es noch einigermaßen aufrecht zum Tresen schaffen könnten. Für Übernahmekandidaten im Biersektor wurde jüngst etwa das Zwölffache des EV/Ebitda gezahlt. Dieses Vielfache würde einen Wert von neun Mrd. Dollar für Femsa implizieren, also denselben Betrag, der auch in Medienberichten erwogen wurde. Doch das würde bedeuten, dass ein heftiger Aufschlag von 69 Prozent auf den Fair Value des Bereichs fällig würde, berechnet die UBS. Und dies wäre selbst während der von Fusionen und billigen Finanzierungen überschäumenden Zeiten vielleicht ein zu großer Schluck gewesen. Ohne diese schöne Schaumkrone wird den Interessenten das Gebräu von Femsa noch unbekömmlicher erscheinen.

Schließlich ist Femsa nur die Nummer zwei in einem Binnenmarkt dritten Ranges. Die Rentabilität in Brasilien drückt auf die Margen. Der Vorstoß der Firma auf den US-Markt hat sich verlangsamt. Und der Wettbewerb mit.

AB-Inbev dürfte sich verschärfen, da die Belgier mit dem Kauf der Hälfte von Modelo liebäugeln, die sich noch nicht in ihrem Besitz befindet. Deswegen könnte das Bestreben von Femsa, einen Verkauf ins Auge zu fassen, noch intensiver werden. Darüber hinaus könnten die Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs den zu erzielenden Endpreis noch stärker belasten: Der vorgeschlagene Fiskalplan Mexikos sieht zum Beispiel vor, die Steuern auf Bier zu erhöhen.

Vor vier Jahren hatte der Chef von Femsa gesagt, er sei "sehr zufrieden" mit der Position der Brauerei und sehe keinen Sinn in einem Verkauf. Vielleicht ist er, wie so viele andere auch, die ein kühles Bierchen zur Hand haben, ein kleines bisschen zu satt und zufrieden geworden.

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