Bilanz
HSBC in Erklärungsnot

Die HSBC dürfte aufgrund eines ausgewiesenen Verlusts über 4,7 Mrd. Dollar im Zusammenhang mit ihrer Bezugsrechtsemission über 17 Mrd. Dollar im ersten Halbjahr in die roten Zahlen rutschen. Diese Bilanzierungsmaßnahme ist genau so unsinnig wie das Verbuchen von Einbußen aus schrumpfenden Marktspannen bei den eigenen Schuldtiteln der Banken. Aber der Aktionärsstamm der HSBC, der vielleicht mit diesen Eigenheiten nicht ganz so vertraut ist, wird erst überzeugt werden müssen.
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Die HSBC legt Wert darauf, dass ihre Investoren die Zahlen der Bank durchschauen. Das britisch-asiatische Institut hat während der Finanzkrise bisher den Kopf über Wasser halten können. Doch jetzt werden die Halbjahresergebnisse, die am 3. August vorgelegt werden sollen, wahrscheinlich in einem Verlust münden.

Ein Ergebnis in negativem Territorium wäre nicht die Folge eines plötzlichen Riesenzusammenbruchs irgendwo im weltweiten Imperium der Bank. Vielmehr hat eine Eigenheit der Bilanzierungsrichtlinien die roten Zahlen in Höhe von 4,7 Mrd. Dollar hervorgerufen - allerdings nur auf dem Papier.

Die irreführende Bereinigung entspringt der Bezugrechtsemission der Bank über 17 Mrd. Dollar im März. Während die Aktien von HSBC zwar in Hongkong und in Großbritannien notiert sind, berichtet das Institut in US-Dollar. Da die Bank den Wechselkurs nicht vorhersagen konnte, war nicht sicher, wie hoch der eingesammelte Kapitalbetrag letztendlich in ihrer Berichtswährung ausfallen würde. In den Augen der Wirtschaftsprüfer wurde die Bezugsrechtsemission auf diese Weise zu einer Art Option, die den Investoren eingeräumt wurde.

Die Auswirkungen dieser Handhabung, die gemäß den IFRS-Richtlinien vorgeschrieben ist, sind grotesk. Die Aktien von HSBC erhöhten sich während der Bezugsrechtsemission. Dadurch stieg die theoretische Option im Wert. Dieser Gewinn für die Inhaber dieser Quasi-Option, also für die Zeichner der Bezugsrechtsemission, schlägt sich für die Bank auf dem Papier als Verlust nieder. Und die Aktien haben sich derart gut entwickelt, dass die für die Bank daraus entstandenen Einbußen ohne Weiteres die Gewinne von 4,6 Mrd. Dollar, die die HSBC vor Sonderposten erwartet, zunichte machen könnten.

Der Verlust, der sich aus dieser Optionsbilanzierung ergibt, ist unsinnig. Ganz ähnlich den Gewinnen und Verlusten, die Banken verbuchen, wenn sich der Wert ihrer eigenen Verbindlichkeiten ändert. Aufgrund solcher Anpassungen hatte HSBC selbst im ersten Quartal einen Gewinn über 6,6 Mrd. Dollar ausgewiesen. Ein Teil dessen könnte sich im zweiten Quartal nun wieder ins Gegenteil verkehren.

Bilanzielle Luftschlösser dieser Art haben wirtschaftlich gesehen überhaupt keine Bedeutung. Aber in Hongkong, wo rund ein Drittel der Aktien der Bank gehandelt werden, gehören zu einem großen Teil Privatkunden zu den Investoren des Instituts. Viele von ihnen sind vielleicht nicht willens oder fähig dazu, die ausgewiesenen Zahlen zu zerlegen und zu analysieren.

Man muss sich nur einmal an den Aufruhr um die Bezugrechtsemission erinnern: Zu einem gewissen Zeitpunkt verbuchten die Aktien einen Tagesverlust von 24 Prozent und ein Nachrichtensprecher brach während der Sendung in Tränen aus. Das Risiko ist gegeben, dass die Investoren vor Ort einfach nur den Verlust sehen - und verkaufen. Es darf mit präventivem Krisenmanagement gerechnet werden.

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